„Antidiskriminierungsrichtlinie der EU-Kommission diskriminiert die deutsche Sprache“
titelt die CDU-CSU-Fraktion im Bundestag … und was sie damit meint, ist noch schrecklicher:
Schon seit zwei Tagen veröffentlicht aber immer noch keine Übersetzung – wenn das keine Diskriminierung ist, gegen die sich jede und jeder anständige Deutsche zur Wehr setzen müsste. Nur womit? Mit der neuen Antidiskriminierungsrichtlinie bestimmt nicht, wenn es nach CDU/CSU geht.

schrieb Bundeswirtschaftsminister Glos gestern in einer Presseerklärung.
Und der bayerische Ministerpräsident Beckstein weiß, was Lesben (und andere) wünschen:
“Die Menschen sind die allumfassenden Regulierungsversuche aus Brüssel leid.”
Die SPD-Europaabgeordnete Lissy Gröner verweist dagegen auf die noch offenen Punkte bei der Abstimmung der Richtlinie:
Weitgehende Übereinstimmung besteht darin, dass das deutsche Recht mit den Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz von 2006 schon viele der Punkte, die in der neuen Antidiskriminierungsrichtlinie enthalten sind, abdeckt. Und auch bei diesem Gesetz blieben die von Wirtschaftsverbänden und Konservativen beschworenen Untergangsszenarien aus.
Was war geschehen?
Die Europäische Kommission hat sich trotz des Widerstands der konservativen Mitgliedsstaaten entschieden, eine Richtlinie herauszubringen, die Lücken in den bisherigen Richtlinien schließt und die Ausweitung des Diskriminierungsverbots für alle Merkmale Behinderung, sexuelle Orientierung, Religion und Weltanschauung beinhaltet. Bislang waren diese Merkmale nur im Arbeitsrecht geschützt. Künftig sollen sie auch beim Zugang zu Dienstleistungen und Waren geschützt werden – wie bislang lediglich Rasse / ethnische Zugehörigkeit. Das europäische Parlament hatte sich zuvor für eine solche Richtlinie ausgesprochen – jedoch war angesichts der Proteste aus einigen konservativen EU-Mitgliedsstaaten völlig unklar, ob die Kommission eine Ausweitung des Diskriminierungsschutzes anstreben würde.
Siehe auch:
- 11. Juni 2008 Antidiskriminierung in der EU – Sieg der Konservativen?
- 4. Juni 2008 Sexualierte AGG-Hopper, die Deutsche Bank und Solidarität mit Frau Köppen



