Die 6. Klasse der Gustavslundschule im Universitätsstädtchen Växjo in Schweden hat sich bei
der schwedischen Werbungsbeauftragten (”Reklamombudsmannen”) über Toys’R'Us beschwert. Anlass sind die starren Geschlechterrollen im Weihnachtskatalog 2008. Nun hat das Büro der Beauftragten den Konzern offiziell gerügt.
Die Geschlechterrollen seien überholt, teilt das Büro der Beauftragten mit, weil sowohl Jungen als auch Mädchen durchgängig mit unterschiedlichen Spielzeugen gezeigt worden seien, wobei die Jungen als aktiv und die Mädchen als passiv dargestellt wurden.
Der 13jährige Hannes Psajd erläuterte dem Portal “The Local” zu Folge, dass er und seine Zwillingsschwester immer dieselben Spielsachen geteilt hätten und er über die Botschaft des Toys’R'Us Kalatogs besorgt sei:
“Kleine Mädchen in Prinzessinnenzeug – und hier sind Jungs als Superhelden gekleidet. Es ist offensichtlich, dass du davon beeinflusst wirst.
Wenn ich sehe, dass nur Mädchen mit bestimmten Dingen spielen, will ich, als Junge, das nicht tun. “
Seine Mitschülerin Moa Averin betont, wie wichtig es für Kinder ist, sein zu können wie sie wollen:
“Jungen wollen manchmal Prinzessinnen sein.”
“Alles in Allem zeigt der Katalog Kinderspiele und die Auswahl von Spielzeugen in einer engstirnigen Art und Weise, und dieser Ausschluss von Jungen und Mädchen von bestimmten Spielzeugen ist eine Herabwürdigung für beide Geschlechter”,
heißt es in einer Stellungnahme von Reklamombudsmannen Elisabeth Trotzig.
Die Stelle der Werbungsbeauftragten ist unabhängig und soll dafür Sorge tragen, dass die Bestimmungen des International Chamber of Commerce (ICC) in Schweden eingehalten werden. Sie wurde erst zum 1. Januar 2009 eingerichtet. Die Beschwerde der Schulklasse gegen den Spielzeugkonzern ist eine der ersten großen Fälle für Reklamombudsmannen Elisabeth Trotzig.
Der Beschwerde vorausgegangen war ein mehrjähriges Projekt in der Schule, das sich kritisch mit Geschlechterrollen befasste.
Links und Quellen:
- Toys”R”Us scolded for gender discrimination, The Local. Sweden’s News in English, 6. Oktober 2009, thelocal.se (englisch)
- Hintergrundbericht auf der Reklamombudsman-Seite, reklamombudsmannen.org (schwedisch)
- Reklamombudsmannens opinionsnämnd fäller Toys R Us, Presseerklärung vom 6.10.2009, reklamombudsmannen.org (schwedisch)
4 Antworten bis jetzt ↓
1 Astrid // Okt 10, 2009 at 00:30
In Deutschland gibt es übrigens einen ähnlichen Fall:
Die neuen Diktat-Übungshefte von Pons.
Der Artikel aus der taz mit der Kritik
http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/rechnen-mit-prinzessin-rosarot/
und
die Reaktion von Pons
http://fehlermeldungen.pons.eu/2009/10/pons-diktat-ubungshefte-in-der-kritik/
Bitte auch die Kommentare lesen!
2 Sebastian // Okt 16, 2009 at 03:12
Es ist biologisch bedingt, daß Jungen und Mädchen verschiedene Interessen haben.
Es ist also völlig nachvollziehbar, daß Jungen und Mädchen in idealtypischen Rollen abgebildet werden. Die meisten Menschen können sich damit identifizieren und finden daran nichts Schlimmes.
Es ist marxistischer Unsinn zu behaupten, daß durch solche Darstellungen die Freiheit der einzelnen Individuen eingeschränkt wird.
Niemand wird durch solche Abbildungen gezwungen, sich irgendwie zu verhalten.
Ich würde mich freuen, wenn mir jemand belegen könnte, daß geschlechtsrypische Darstellungen Kinder oder Erwachsene beeinflussen.
Es ist eine reine Behauptung, daß solche Darstellungen herabwürdigend seien oder Ausschluß-Charakter haben.
Diese Konstruktionen müssen belegt werden.
3 SiriusAschere // Okt 17, 2009 at 06:52
@ Sebastian “Ich würde mich freuen, wenn mir jemand belegen könnte, daß geschlechtsrypische Darstellungen Kinder oder Erwachsene beeinflussen.”
Dies mache ich aber gerne:
Die unterschwelliger Beeinflussung will sich die Werbeindustrie nicht nicht so ganz nehmen lassen:”Priming” heißt das neue Zauberwort – ein Phänomen, das in der psychologischen Forschung seit längerem bekannt ist. So können nicht bewusst wahrnehmbare Reize zwar nicht wie Befehle wirken, aber späteren Handlungen den Weg bahnen – englisch “primen”: Blitzt eine unsichtbare “1″ auf, können Versuchspersonen eine anschließend gezeigte sichtbare “3″ schneller als “kleiner als fünf” klassifizieren als wenn vorher eine “6″ gezeigt wurde.
Was hier angeblich marxistischer Unsinn ist, weiß ich nicht, aber eine Entscheidungsfreiheit wird somit bewußt gelenkt!
Wenn Ex-Senator Thilo Sarazin inzwischen mit der Staatsanwaltschaft konfrontiert wird, wegen seiner Sprüche über “Kopftuchmädchen”, sollte doch ein Verlag, weitgehend davon Abstand nehmen sich Klischeehafte Rollenverteilungen als “Vorlagen und Vorbilder zu benutzen?
Natürlich gibt es die traditionell geprägten Kopftuch tragenden Frauen, meist aus dem Heimatland hier hin verheiratet und mit Repressalien in den traditionellen Rollen fest”getackert”.
Die meisten werden überhaupt nicht gefragt “was sie für einen individuellen Lebenswerg” selber wählen würden. “Es ist doch biologisch so?”
Genauso wie viele Männer aus biologischen Gründen keine Spülmaschine einräumen können, wegen der komplizierten Technik!
SiriusAschere
4 Uli // Okt 25, 2009 at 11:08
Dazu fällt mir das wunderbare Buch ein “Ich hasse Rosa”. Damit kann ich mich sehr gut identifizieren. Das Buch bricht mit allen gesellschaftlichen Regeln und zeigt, dass es tatsächlich überholt ist, Mädchen mit Prinzessinnenkrönchen und Jungs mit Cowboyhut zu zeigen. Es gibt so viele Facetten, Geschmäcker, Neigungen. Da sollte man sich nicht auf Klischees aus vergangenen Jahrhunderten beschränken. Das würde unsere Welt nicht mehr darstellen, wie sie heute ist. Und endlich sein darf!
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