Hessisches Sozialministerium: Lesben und Schwule entlassen

Das hessische Sozialministerium kündigt die Honorarverträge der vier Beraterinnen und Berater im Referatsbereich Gleichgeschlechtliche Lebensweisen. Die Kündigung wurde den zwei Frauen und zwei Männern bereits mündlich mitgeteilt, eine schriftliche Kündigung werden sie erst nach dem Fachtag Homosexualität und Alter erhalten, der diesen Freitag (22. Juni) stattfindet.

Dem Vernehmen nach wurde die Kündigung direkt von der Hausspitze verfügt. Sie soll zum Herbst des Jahres fällig werden. Damit wird in Hessen ein Fachbereich zerschlagen, der sich 15 Jahre lang bundesweit hohe fachliche Anerkennung erworben hat. Es wird künftig keine direkte Verbindung aus den Initiativen, Projekten und Einrichtungen für Lesben, Schwule, Transpersonen und Intersexuelle in die Landesverwaltung mehr geben. Darüber hinaus gehen dem Land Hessen ein Erfahrungsschatz und eine Themenkompetenz verloren, die weit über Landesgrenzen hinaus einmalig sind.

Der Fachbereich hat mit der fachlichen Kompetenz der Beraterinnen und Berater jährlich Runde Tische zu Themen wie Antidiskriminierung (2011), Regenbogenfamilien (2010), Homophobie (2009) oder Internet-Angeboten (2008) durchgeführt. Dazu kamen jeweils Fachtage zu Themen wie  Kirche und Homosexualität (2011), Beratungsangebote für lesbische, schwule, bi- oder transsexuelle Jugendliche (2010), Homosexualität und Migration (2009), junge Lesben und Schwule im Sport (2008).

Die Beraterinnen und Berater bereiten beispielsweise Reden vor, verfassen Stellungnahmen, geben Anregungen für Aktivitäten der Verwaltung und decken fachlich-inhaltlich ein breites Themenspektrum ab.

Möglich wurde und wird dieser Output vor allem durch das hohe Engagement der Beraterinnen und Berater, die oft mit großem ehrenamtlichen Aufwand einhergeht.

Die Kündigung erfolgt unmittelbar, nachdem die Beraterinnen und Berater mit erheblichem Zusatzaufwand das neue Web-Konzept des Fachbereichs umgesetzt haben.

In diesem Herbst hätte der Fachbereich mit diesem besonderen Beratungskonzept sein 15jähriges Jubiläum begangen.

In einer Zeit, in der die rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen langsam näher rückt, während gesellschaftliche Diskriminierungen, Ausgrenzungen, Mobbing, Hasskriminalität gegen Lesben und Schwule, ganz zu schweigen von der Situation junger trans- oder intersexueller Menschen, stärker in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung geraten, ist das Signal aus Wiesbaden verheerend.

Hintergrund:

Das hessische Sozialministerium geht in Sachen Gleichstellung einen besonderen Weg: Dem zuständigen Jugendreferat sind auf Basis fester Honorarverträge zwei Beraterinnen und zwei Berater zugeordnet, die auch in den LGBT Szenen verankert sind. Insgesamt ist das, nicht zuletzt, weil die Beraterinnen und Berater auf Honorarbasis und somit für den Arbeitgeber keine Sozialversicherungsbeiträge anfallen, ein Kostenumfang, der insgesamt etwa einer halben Stelle entspricht.

Angesiedelt waren die Honorarstellen im  Referat II 2 “Jugend” des hessischen Sozialministeriums, dem außerdem die Themenbereiche “Soziale Berufe”, “Sekten und sog. Psychogruppen” und eben “Gleichgeschlechtliche Lebensweisen” zugeordnet sind.

Links und Quellen:

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2 Antworten auf Hessisches Sozialministerium: Lesben und Schwule entlassen

  1. KarinKa sagt:

    Bin überrascht dass gar keine Kommentare zu diesem Post kommen. Ist das so unwichtig?

  2. Eva von Blanc sagt:

    Liebe Konny,

    so ist sie halt, unsere derzeitige hessische Regierung. Sie hat in Bezug auf die Rechte von Lesben, Schwulen und Transgender immer nur halbe Sachen gemacht (wenn überhaupt!) und nur auf Druck reagiert. Höchste Zeit, dass sie abgewählt wird.
    Es tut mir für sehr leid für Euch MitarbeiterInnen, aber auch für die gesamte community.
    Lass uns morgen Abend entsprechend im Landtag unsere Wut äußern.
    Eva

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