Passend zu unserer heutigen Abreise hat sich das Wetter verschlechtert. Es regnet.
Heute war der letzte Tag des LFTs, an dem traditionell nur noch das Abschlussplenum stattfindet.
Um 10 Uhr sollte es in der Mensa losgehen.
Es waren auch heute wieder sehr viele Frauen da. Insgesamt wurden mehr als 800 Dauerkarten verkauft, von denen 346 bereits im Vorverkauf abgesetzt wurden. Das ist ein sehr hoher Anteil. Die Tageskarten wurden bisher noch nicht ausgewertet. Es kann also durchaus sein, dass mehr als 1000 Frauen dagewesen sind. Wow! Die Kalkulation ist wohl aufgegangen. Im Gegensatz zu Köln. Dessen Orga-Verein musste Insolvenz anmelden.(Es wurde gesagt, dass sie sich wohl verkalkuliert hätten. Sie wären davon ausgegangen, dass mehr Frauen nach Köln kommen.)
Moderiert wurde die Veranstaltung wieder von Kathrin. Allerdings wollte in diesem Jahr keine ein Kind von ihr. (Hat etwa der Kinderboom bei Lesbens abgenommen??!?)
Zunächst wurde das Hamburger Orga-Team frenetisch bejubelt, inklusive Standing Ovation und La Ola. Danach folgte die Aufzählung von Lob und Kritik, die die Frauen im Laufe des LFTs an entsprechende Stellwände angeschrieben hatten. Wir konnten uns aber auch noch mal beim Plenum dazu äußern. Die Kritik fiel im Vergleich zu früheren Jahren verhältnismäßig bescheiden aus. Da kamen dann auch lustige Aussagen, wie „Ich will Pommes Frites und Fleisch!“ oder „So ein Mist, ich habe nichts zu meckern!“
Gelobt wurde besonders, dass das LFT in diesem Jahr so politisch war, dass Lesben aus Ländern da waren, in denen Lesben bedroht und verfolgt werden.
Danach standen Beschlussanträge und Empfehlungsanträge auf der Tagesordnung.
Zur Unterscheidung: Beschlüsse des Abschlussplenums haben einen bindenden Charakter. Das heißt, das LFT findet nicht statt, wenn diese Bestimmung nicht erfüllt wird. Von diesen Beschlüssen gibt es nur sehr wenige. Der Wichtigste: Kann eine Barrierefreiheit des LFTs nicht gewährleistet werden, muss das Treffen ausfallen. Eine Empfehlung ist nicht bindend. Die Orga-Frauen haben die Freiheit, sich dagegen zu entscheiden (Was sie aber in der Regel nicht tun). So gibt es die Empfehlung, dass ausschließlich biologische Lebensmittel angeboten werden sollten. Sollte dies nicht möglich sein, muss das LFT deswegen nicht abgesagt werden.
Heute stand der Empfehlungswunsch auf der Tagesordnung, dass im Rahmen des LFTs ein christlicher Gottesdienst stattfinden kann, der auch im Programm angekündigt wird. Dieser würde vom christlichen Lesbennetzwerk ausgerichtet werden.
Es kam zu einer intensiven Diskussion des Für und Wider. Unter anderem wurde darauf hingewiesen, dass Religionsfreiheit ein Menschenrecht ist und damit auch beim LFT Platz finden solle. Eine Gegenstimme sprach sich dafür aus, dass das LFT frei von kirchlichen Institutionen bleiben müsse. Denn Frauen, insbesondere auch Lesben, haben viel Leid durch das Christentum erfahren. Von den meisten Lesben wurde die Form des Gottesdienstes an sich abgelehnt. Nicht die kritische Auseinandersetzung mit den Weltreligionen.
Abgestimmt wurde diese Empfehlung durch Hand heben. Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, ob die Empfehlung angenommen wurde. Für mich sah für und dagegen fast gleich aus. Aber wenn ich Kathrin richtig verstanden habe, wurde die Empfehlung wohl angenommen. Mal sehen, was Rostock jetzt damit macht.
Womit ich auch schon angedeutet habe, was jetzt noch kommt: die Übergabe des LFT-Banners an die Orgafrauen aus Rostock, die das LFT im nächsten Jahr ausrichten. Sie hatten übrigens schon ziemlich schicke T-Shirts an!
Und dann war doch das Plenum tatsächlich schon 10 Minuten vor der anvisierten Zeit zu Ende! Und es gab keine Riesenstreiteren, keine ausschweifenden Ausführungen. Äh, bin ich jetzt glücklich oder enttäuscht ??!?!
Fazit des LFT 2010 – Lesben Leinen Los in Hamburg:
Apropos T-Shirts. Da war doch noch was mit diesen Unterhosen! Ja, tatsächlich, beim LFT in Hamburg gab es in diesem Jahr ökologisch einwandfreie Unterhosen als Souvenirs zu kaufen. In vielen verschiedenen Farben, vom Tanga bis zur Buxe (dass sind die ganz großen, unsexy Dinger). Und zwar für 12 Euro das Stück. Und die gingen weg wie geschnitten Brot! Außerdem gab es Tassen, LFTee, USB-Sticks, Kugelschreiber und einige selbstbedruckte Second-Hand-T-Shirts. Alles möglichst umweltverträglich und fairtrade.
Ne Buxe wollte ich nicht, die T-Shirts hatten nicht meine Farben und waren zu klein für mich. Deswegen habe ich eine Tasse und LFTee mitgenommen.
Es gab übrigens auch noch eine Gepäckfahrdienst zwischen den Veranstaltungsorten. Lesben, die am Samstag bei der Mensa angekommen waren und an der Demo teilnehmen wollten, mussten ihre Koffer nicht mitschleppen. Die wurden für sie zum G2 gefahren. Toller Service!
Das Essen war, wie schon erwähnt, ganz gut. Auch die Dinkelwaffeln waren sehr lecker.
(Es gab heute morgen übrigens noch kleine Lunchpakete gegen Spende für den Heimweg. Bei mir in der Tüte ist ein Käsebrot. Schatzi hat sich ein paar Bananen mitgenommen)
Schön war außerdem, dass es beim Abendprogramm auch einen schön dekorierten Lounge-Bereich gab, in dem sich Lesbe mal ausruhen konnte. Die Disko fand gleichzeitig mit den Auftritten statt, wobei sie sich gegenseitig nicht gestört haben.
Es gab noch einen unschönen Vorfall bei der Disco am Samstag: eine Lesbe, die mit ihrem Rolli durch die Disco zur Toilette wollte, wurde angepampt, was sie denn hier wolle, sie könne ja sowieso nicht tanzen und solle nach Hause gehen. Also so’n Mist braucht wirklich kein Mensch! Das führte denn auch dazu, dass diese Lesbe bei der Disco am Sonntag besonders geschützt wurde und dadurch einen wunderschönen Abend hatte.
Schatzi und ich haben gestern doch noch die Kunstaustellung angeschaut und dabei jede Menge Visitenkarten eingesammelt, die Schatzi dazu verwenden wird, die Künstlerinnen einzuladen, an der geplanten großen Lesben-Kunstausstellung in Frankfurt teilzunehmen.
Insgesamt hat uns das LFT sehr gut gefallen. Wir haben uns sehr wohl gefühlt und haben wieder einiges erfahren und gelernt. Bisschen blöd war nur, dass die Gebäude so verwinkelt waren und sich die Lesben dadurch schnell aus den Augen verloren.
Das war’s für dieses Jahr. LFT is aus. Mal sehen, ob wir nächstes Jahr nach Rostock fahren.
Für 2012 gibt es leider noch keinen Ort. Im Gespräch waren Berlin, Hannover und Stuttgart. Wir werden sehen. Hey! Wie wär’s mit Wien, liebe Österreicherinnen???



Vielen Dank für Eure ausfühlichen Reports! Es freut mich, dass so viele Lesben gekommen sind und dass Kosten so gedeckt sein könnten.
Wien ist zwar ne Reise wert, aber…
… Stuttgart, Heidelberg, gar Köln würden wir besuchen. ;-)
Aha. Also keine Buxen, dafür ne Tasse LFTee. ;-)
Schön, dass die Rechnung für die Orgas aufgegangen ist. Ist nämlich nicht schön, wenn die Frauen dann auf den Schulden sitzen bleiben.
An sowas denkt so manche Besucherin natürlich nicht, wenn sie fordert: Macht es billiger, billiger, kostenlos.
Vielen Dank für eure Berichte, Astrid und Sylvia. Immer wieder schön, euch zu lesen. :-)
Hallo Astrid, hallo Sylvia!
Vielen Dank dafür, dass ich auf diesem Wege als Orga-Frau einen Einblick in die Geschehnisse des LFT aus Besucherinnensicht bekommen habe! Hat großen Spaß gemacht deinen Bericht zu lesen. Ich musste oftmals schmunzeln wenn ich sehe, wie unsere vorgedachten Dinge von euch aufgenommen wurden.
Vielen Dank! Katharina
Hi, Katharina,
du musstest
?
Das schreit nach einem Beispiel oder zweien :-)
Joni.T
Hallo,
danke für Dein Bericht. Hoffentlich schreiben noch mehr Lesben über ihre Erlebnisse beim Lft Das LFT baut auf die solidaischen Unterstützung der Besucherinnen. Es ist eine schöne Tradition und auch notwendig, dass jede Lesbe mindestens 2 Stunde mit anpackt. Wie habt Ihr Eure Helferinnenstunden verbracht?
Paula
2 Stunden Helferin sein…. jaaaa, das dachte ich auch, als ich mich zum Stoffbahnen aneinander nähen meldete, doch daraus wurde dann ein laaaanger Abend uuund noch mehr Stunden am LFT. Erst haben wir uns darüber ausgetauscht wie denn wohl der Schaumstoff am besten zu hmmm Sofas verbaut werden kann, die Ideen waren schnell gesammelt und nun folgten die Taten – sprich: das nähen, stapeln und kleben. Ok, das verkleben der Schaumstoffmatten war noch einfach, dann aber den schönen, grünen Stoff als “Röckchen” um diese Stapel und der Rasen obenauf… wie hält es am besten und längsten und wird es nicht verrutschen? Nööööö, rutscht nix. So, dann noch das Röckchen…. nähen war anstrengend und Zeitaufwendig aber takkern ging auch nicht – also kleben – oh oh ob DAS hält? Jo, es hielt – zumindest die 3Abende. Nähen war am stabilsten – was aber tun, wenn alle nicht nähen konnten? Egal, kleben und gut ist.
Das erste Treffen zum nähen war eine Woche vorher und da wir nicht fertig wurden, wollte ich es so nicht lassen und meldete mich fix zum am ersten LFT-Tag um begonnenes zuende zu bringen… soooo wollte ich meinen Start nämlich nicht stehen lassen ;-) Tjaaaaaa und so kam es dann, das doch noch am Freitagabend zum Start des LFT alles schick und fertig wurde. Über den regen Besuch in der Lounge habe ich mich dann natürlich sehr gefreut und das alles soooo fein aussah :-)
Den Sonntag habe ich genutzt um mir auch an den anderen beiden Veranstaltungsorten einen Eindruck zu beschaffen. Ach ja, Pommes rot/weiß… das wär´s – Nudeln waren aber voll lecker :-)
Am Montag war ich dann schon wieder da – diesmal zum abbauen, sortieren von Material und alles putzen. So kam ich auf ein paar mehr als 2 Stunden und hatte viel Spaß als spontane Dauerhelferin.
Irgendwie war es dann eigenartig am Dienstag nicht wieder loszufahren um irgendwo helfend einzuspringen.
Mir hat es riesen Spaß gemacht und sollte irgendwann wieder der LFT in HH stattfinden… ich weiß nun sicher, das ich mich doch als Dauerhelferin melden kann. Hatte so meine Bedenken, ob ich es Gesundheitlich packe.
Mir gefiel das nette Miteinander und das soooo viele Frauen mit angepackt haben. Boah, hat die Mensa viele Tische und Stühle ;-)
tschühüüüß, bis bald von Birgit
Birgit, ich finde es toll dass Du (und viele andere) so viel Zeit investiert haben! Aber eins ist mir nicht so klar: warum ist es notwendig gewesen Sofas herzustellen, die danach wahrscheinlich weggeworfen werden. Gibt es nicht die Möglichkeit Möbel von irgendwo auszuleihen für drei Tage?? Ich würde mir ein LFT wünschen der nicht so viel “Landfill” produzieren würde.
Ich würde gerne noch was zum Essen sagen: Es war super. Alles biologisch korrekt und doch lecker. Auch der Kuchen war toll. Ich fand die Florentiner super. Vor allem ein großes Lob an Ricarda für den freundlichen Service und Ute für den unermüdlichen Einsatz an der Espresso Maschine… so gab es immer lecker Latte….
danke,
… da kann ich kurz was zu beisteuern:
bis wir raushatten, dass die Brandschutz-Bestimmungen bei Stoffen scheint’s nur für senkrecht Hängendes gelten, war die Zeit schon sehr fortgeschritten; Möbel, deren Stoffe nicht mit unentflammbarem Zeug besprüht sind, hätten wir schon einige ausleihen können… jedenfalls, in unserem Fall kam dann also Plan B (selbst anfertigen) zum Zuge – eine große Aktion am Samstag vor dem LFT – und immerhin: es sah fantastisch kitschig aus und dann alles in rot angeleuchtet, einfach umwerfend –
die Liegeflächen für’s Umgeworfen-Sein haben wir dann vor Ort ja gleich mit angeboten :-)
Fazit: hinterher ist eine dann meist schlauer – und genau deswegen reden wir hier offen darüber ;-)
uuund… das wenigste ist zum Müll gegangen ähm gefahren worden – sehr vieles werden wir so oder verändert in Rostock sehen. Ich bin mal gespannt was die Frauen sich dort einfallen lassen :-)
Birgit und ich, wir unterhalten uns hier gerade über ‘Landfill’ (Müll) und steuern noch diesen Aspekt bei: das Füllmaterial haben wir geschenkt bekommen und einfach nochmal angehübscht verwertet, bevor es zur Deponie ging :-)
Super LFT dieses Jahr. Uns würde nur noch interessieren was aus den Bildern wird bzw. ob man die sich irgendwo anschauen kann, die am Samstag von unseren reizenden Rückseiten gemacht wurden?
Kerstin und Laura fragen,
Wir haben keine Bilder für L-talk gemacht. Vielleicht kann Claudia vom Orga-Team weiterhelfen?
bitte wendet euch per Mail an 2010@lesbenfruehling.de