Sehen und übersehen werden – CSD im Spiegel deutscher Bildredakteure

Beim CSD in Berlin waren ganz sicher Lesben, ich weiß von mindestens Zweien. Angeblich waren es hunderttausend oder mehr. Sie waren aber nirgendwo zu sehen, wenn die Zuschauerin nicht zufällig oder absichtlich direkt dabei war.

Erstaunliches zeigten die Agentur-Bilder. Die überregionalen Zeitungen veröffentlichten eine ganze Reihe, so 10 bis 14 Bilder … mit ausschließlich schrillen, schrillen Männern und prominenten Männern und ganz normalen Männern und anderen Männern. Zu betrachten beispielhaft im SPIEGEL.
Focus hatte ein Bild von einer Frau (?) dabei (ob das eine von den beiden ist, von denen ich wusste, dass sie dort waren?), hier rechts:

Ob sie die Vielfalt lesbischer Lebensweisen repräsentiert?

Dabei geht es auch anders. Weit entfernt davon, die USA als Eldorado (Eldorada?) emanzipatorischer Bewegung fehlzuinterpretieren, will ich doch nochmal zeigen, wie lesbische Sichtbarkeit medial inszeniert werden könnte. Ohne dass es öde, unjournalistisch oder obszön wird.
Der San Francisco Chronicle zeigt beispielsweise Männer, Frauen, ganze Familien, Paare jeden Geschlechts, jeder Hautfarbe (ob echt oder bemalt), Heteras und Heteros …. Guckt selbst, in diesem Filmchen von Chronicle Mitarbeiter Frederic Larson.

Und sehr, sehr schöne Bilder, zum Beispiel dieses hier:Weitere gibt es auf der Chronicle Website sfgate.com.
Scheint, als wirke diese ganze intensive Lobbyarbeit mit all den erreichten Antidiskriminierungvorschriften sich irgendwann doch auf die Wahrnehmung der Journalistinnen und Journalisten und auf ihre veröffentlichte Meinung aus. Ich glaube nämlich, die sehen uns hier wirklich nicht. Sie gehen CSD gucken und sie sehen … Männer. Eine ganz besondere Auswahl Männer übrigens, mit denen sich auch nicht jeder schwule Mann wird identifizieren wollen – aber dieses Problem sollen die Jungs unter sich ausmachen.

Meine Frage ist nicht: Wie komme ich endlich in die USA. Ich will wissen, wie wir hier in die ganz normalen deutschen Zeitungen kommen – so wie wir uns auf dem CSD präsentieren. Ich will mich nicht den tuntigen Fantasien deutscher Foto-Redakteure unterordnen. Ich habe einen Leserinnenbrief geschrieben (wurde nicht veröffentlicht) und ich werde vor dem nächsten CSD den ich besuche die örtlichen Zeitungen anschreiben und bitten, auch Lesben abzubilden. Das sind aber ziemlich hilflose kleine Aktionen angesichts dieser medialen Ignoranz.

Und sonst? Ideen?

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2 Antworten auf Sehen und übersehen werden – CSD im Spiegel deutscher Bildredakteure

  1. Claudia sagt:

    die Fotos, die du sehen willst, in guter Auflösung zu flickr etc. stellen und der Presse die Links mailen mit angemessenen Bildunterschriften :-)

  2. Joni.T sagt:

    Der Deutschlandfunk hat diese Woche einen Beitrag zur Sichtbarkeit von Lesben gesendet.
    Interviewt wird Dr. Andrea Seier von der Ruhr-Universität Bochum, sie ist Medienwissenschaftlerin und hat sich ausführlich mit Gender Studies und Medienrezeption von lesbischen Frauen befasst.

    Link zum Beitrag “Unsichtbare Lesben” von Steffi Lachnit mit Audio, 20. September 2010

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