Endlich ein Jugendzentrum für Lesben und Schwule in Frankfurt!

Anfang nächsten Jahres wird es so weit sein: In der Frankfurter Innenstadt, direkt an der Konstablerwache (“Konsti”), eröffnet das erste Zentrum für lesbische, schwule, bisexuelle und transidente (LGBT) Jugendliche in Hessen.
Seit 2002 hatte der Verein “our generation – SchwuLesBische Jugend Frankfurt am Main e.V.” ein solches Jugendzentrum gefordert, nun wird es in Trägerschaft von “our generation” realisiert: Auf 200 qm in der Kurt-Schumacher-Str. 41 – Eingang von der “Konsti” aus im Erdgeschoss. Die “Konsti” dürfte vielen Jugendlichen bekannt sein, findet dort doch alljährlich (bis auf 2008) der Frankfurter CSD (Christopher Street Day) statt.

Schon jetzt werden im Hintergrund alle Vorbereitungen getroffen. Auch die beiden pädagogischen MitarbeiterInnen sind bereits eingestellt:  Seit 01. September 2009 sind Judith Eisert und Oliver König beim wöchentlichen Jugendcafé (jeden Montag von 19 bis 22 Uhr) im Café Switchboard, Alte Gasse 36, 60313 Frankfurt anzutreffen, aber auch bei vielen anderen Veranstaltungen, die sich an Lesben und Schwule richten. Wir von lesben.org/l-talk.de trafen die beiden beim Runden Tisch der Hessischen Lesben- und  Schwulengruppen in Wiesbaden.

Und stellten sofort neugierige Fragen…

Zuerst an Judith Eisert, weiter unten an Oliver König.

Judith Eisert1) Wie heißt du? Wie alt bist du? Woher kommst du?
Mein Name ist Judith Eisert; ich bin 35 Jahre alt. Gebürtig komme ich aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Aschaffenburg. Mit 18 bin ich nach Eichstätt, um dort Religionspädagogik und kirchliche Bildungsarbeit zu studieren. Wenige Jahre habe ich dann in der katholischen Kirche gearbeitet. Mit 25 Jahren habe ich dann ein zweites Studium der Sozialarbeit in Köln begonnen und seitdem dort gelebt.        

2) Warum willst du im lesbisch-schwulen Jugendzentrum arbeiten?
Ich habe bereits einige Jahre in Köln “sooo einem” Jugendzentrum gearbeitet, das hat mir unendlich viel Spaß gemacht. Berufslesbe zu sein ist eine einzigartige Verbindung von Arbeit und eigenem Leben. Darüber hinaus finde ich die Mischung aus Beratung und Jugendarbeit eine tolle Herausforderung!

3) Warum siehst du in Frankfurt bzw. im Rhein-Main-Gebiet einen Bedarf, der sich explizit an LGBT-Jugendliche richtet?
Das Jugendamt hat in der Vorbereitungsphase für diese Einrichtung 4000 lsbt-Jugendliche im Stadtgebiet geschätzt. Dabei sind sie vom
obligatorischen Mindest-Prozentsatz 5% ausgegangen. Die
BesucherInnen-Befragungen von our generation zeigen jedoch, dass 41% der Besucher (80%) und Besucherinnen (ja, auch hier sind es 20 %) aus dem Umland kommen und Fahrtstrecken von bis über 50 km in kauf nehmen.
Kurz zusammengefasst – es gibt durchaus genug Bedarf!

4) Was macht das Besondere an eurem Konzept aus?
Das ist schwierig zu beantworten:
Im Vergleich zu anderen Jugendeinrichtungen der Stadt sind wir eine Ort für lsbt Jugendliche und junge Erwachsene und zwar nicht-kommerziell! In diesem “eigenen Raum” gibt es die Möglichkeit, Selbstverständlichkeit und Selbstsicherheit zu erfahren und zu erlernen. Das ist meine Erfahrung aus der lsbt-Jugendarbeit in Köln – die kommen oft äußerst unsicher das erste Mal durch die Tür und es ist eine Frage von Wochen, bis sie dann mit erhobenem Kopf auch in ihre Schulklasse gehen!
Im Vergleich (aus lesbischer Sicht) zum LIBS beispielsweise wird unser Jugendzentrum einen anderen Schwerpunkt haben; ein offenes Café ist kein Gruppentreffen und beides hat seine je eigene Qualität. Wir werden wohl an 4 Tagen die Woche von ca. 17 – 22 Uhr geöffnet haben. Da gibt es viel Raum für alles, was dort noch wachsen wird ;-)

5) our generation ist nicht bekannt als Verein, der hauptsächlich von jungen Lesben frequentiert wird. Wie wollt ihr den Anteil an lesbischen Mädchen im Jugendzentrum erhöhen?
Der Grundstock ist meines Erachtens damit gelegt, dass die 2 Stellen für hauptamtlich Mitarbeitende mit einer Lesbe und einem Schwulen besetzt sind.
Das ist doch schon ein guter Ausgangspunkt. Darüber hinaus werden wir natürlich ganz gezielt Werbung für junge Lesben und Bisexuelle machen.
Außerdem gibt es von Seiten meines Kollegen und von Seiten des Vorstands viel Unterstützung für das Ziel “viele junge Lesben für den Jugendtreff”.

6) Freust du dich auf deine Arbeit?
Klaro!

Und nun die Fragen an Oliver König:

Oliver König1) Wie heißt du? Wie alt bist du? Woher kommst du?

Mein Name ist Oliver König, ich bin 37 Jahre alt und ich komme gebürtig aus dem Sauerland, habe in Mainz und Münster Erziehungswissenschaften studiert und zuletzt 8 Jahre in Vallendar bei Koblenz gelebt und als Jugendbildungsreferent gearbeitet.

2) Warum willst du im lesbisch-schwulen Jugendzentrum arbeiten?

Mir war schon früh klar, dass ich einen Beruf ergreifen möchte, der mit Menschen zu tun hat. Der Schwerpunkt, mit Jugendlichen zu arbeiten, hat sich während meines Studiums der Erziehungswissenschaften heraus kristallisiert. Jetzt in einem Jugendzentrum für lesbische, schwule, bisexuelle und transidente Jugendliche zu arbeiten, sehe ich als echte Chance. Zum einen kann ich mich als Schwuler natürlich mit der Zielgruppe gut identifizieren. Das ist noch einmal etwas ganz anderes als bei meinen bisherigen Arbeitsstellen. Zum anderen finde ich, gibt es noch viel zu wenige solcher Einrichtungen, wie die, die die our generation e.V. jetzt auf die Beine stellt. Ich bin froh, von Anfang an dabei sein zu können.

3) Warum siehst du in Frankfurt bzw. im Rhein-Main-Gebiet einen Bedarf, der sich explizit an LGBT-Jugendliche richtet?

In Frankfurt am Main gibt es rein rechnerisch rund 4000 LSBT-Jugendliche im Alter von 12 bis 27 Jahren. Im gesamten Rhein-Main-Gebiet entsprechend mehr. Ich glaube, da kann man von Bedarf sprechen.

4) Was macht das Besondere an eurem Konzept aus?

In Frankfurt gibt es kein Angebot, dass sich explizit an Schwule im Jugendalter richtet, außer dem  montags bereits stattfindenden Jugendcafé der our generation e.V.. Die einzige darüber hinaus gehende Alternative bietet die kommerzielle Szene, die für Jugendliche zum einen jedoch eine finanzielle Hürde darstellt und in der sie zum anderen kaum auf Gleichaltrige treffen. Als Kontrast dazu wird unser Jugendzentrum täglich Raum bieten, in entspannter Café-Atmosphäre Gleichgesinnte zu treffen, sich in vorurteils- und angstfreier Umgebung miteinander auszutauschen und voneinander zu lernen. Im Gegensatz zu anderen Jugendzentren, wo Heterosexualität als die selbstverständliche Norm vorausgesetzt wird, haben die Jugendlichen hier die Möglichkeit, sich nicht als „anders“ und nicht dazu gehörig, sondern als ganz normal im Kreise von Gleichgesinnten zu erleben. Anstatt sich zu verstecken, können die Jugendlichen so lernen, selbstbewusster aufzutreten.

Neben einem auf die Zielgruppe ausgerichteten Beratungsangebot wollen wir außerdem die bereits bestehenden Angebote, wie das Schulaufklärungsprojekt, Gruppenfahrten usw. ausbauen. Außerdem ist uns die enge Zusammenarbeit mit bereits vorhandenen Beratungsstellen und Anbietern ein großes Anliegen.

5) our generation ist nicht bekannt als Verein, der hauptsächlich von jungen Lesben frequentiert wird. Wie wollt ihr den Anteil an lesbischen Mädchen im Jugendzentrum erhöhen?

Das neue Jugendzentrum ist nicht nur für Schwule gedacht. Bei uns soll sich jeder willkommen fühlen. Egal ob schwul, lesbisch, transident, bi- oder heterosexuell. Daher ist es auch mir ein besonderes Anliegen, Angebote zu schaffen, die unter anderem den Treff auch für Lesben attraktiv machen. Den Anfang machen wir dafür mit der Planung eines Mädchentages pro Woche, damit es Raum gibt, in dem man sich ungestört treffen, sich austauschen und einfach sein kann. Allerdings hoffe ich, dass die Mädchen auch an den gemischten Abenden zahlreich vorbei kommen und den Jungs nicht einfach so das Feld überlassen.

6) Freust du dich auf deine Arbeit?

Ich freue mich sogar sehr auf meine Arbeit. Zu wissen, dass ich jeden Tag an etwas sinnvollem und wichtigen mitarbeiten kann – wie viele Menschen können das schon von sich sagen. Momentan gibt es noch viel an Vorbereitung zu erledigen. Am meisten freue ich mich darauf, wenn der Treff Anfang nächsten Jahres eröffnet und die Arbeit richtig los geht. Auch jetzt bieten wir schon Beratung an, aber durch ein niedrigschwelliges Angebot wie den Treff erhoffe ich mir noch einmal mehr Resonanz.

Links:

  • our generation – SchwuLesBische Jugend Frankfurt am Main e.V.
  • KUSS41 – LesBiSchwules Jugendzentrum Frankfurt am Main

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4 Antworten auf Endlich ein Jugendzentrum für Lesben und Schwule in Frankfurt!

  1. Konny sagt:

    Es ist soweit. Am Dienstag, 13. April öffnet Frankfurts Jugendzentrum Kuss41 für lesbische, schwule, bisexuelle und transidentische Jugendliche seine Türen! Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag von 17 bis 22 Uhr. Dienstag und Freitag sind gemischt, Mittwochs ist Mädelstag, Donnerstag Jungstag. Die offizielle Eröffnungsfeier mit allen Honorator_innen wird dann am Mo, 07. Juni um 17 Uhr stattfinden.

  2. Pingback: Was Jugendliche heutzutage zum Coming-out brauchen…

  3. Janina sagt:

    hallo,
    ich bin so ziemlich neu in der Szene und will mal wissen,wo es frauenclubs gibt in ffm.
    Das Lagata kenn ich schon.
    Ich hatte auch eine erste Beziehung mit einer Frau gehabt.
    lg
    janina

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