Identitäten im Alltag: Outdoor Performance für die Butch

Aufgeklärte moderne Lesben glauben selbstverständlich nicht an Geschlechterrollendeterminismus und so weiter, aber dass einer echten Butch das Outdoor Leben in den Genen liegt ist wohl unbestritten.

Leider gibt es immer wieder Butches, die, Natur hin oder her, über gar keine Outdoor-Fähigkeiten verfügen. Noch Das Karohemd-Gen: Ohne ist die Butch outdoor in Schwierigkeiten. schwieriger ist es, das der Femme gegenüber zuzugeben, die ein Zelt in < 3 Minuten aufbauen kann, ein siebengängiges Essen über dem “guck mal, ganz ohne Streichholz” selbst entzündeten offenen Feuer zubereitet und es dabei schafft, atemberaubend auszusehen – und das in einem XL-Karohemd, das sie drei Tage am Stück getragen hat.

Die Schande allein reicht schon. Sie zugeben zu müssen wäre ein Schritt zu viel. Deshalb  haben wir die folgende Liste von Outdoor-Tipps für Butches zusammengestellt. Damit sollte es euch hoffentlich gelingen, das nächste Abenteuer unter freiem Himmel mit intaktem Ego und Image zu überstehen.

1. Weigere dich, in einem Zelt zu übernachten

Diese Taktik bewahrt dich davor, dich völlig zur Idiotin zu machen, indem du am Aufbau deines eigenen Zeltes scheiterst. Darüber hinaus siehst du ziemlich cool aus, wie du so herumstehst, ein Bierchen trinkst und deinen Mitcamperinnen dabei zuschaust, wie sie sich abrackern. Beobachte sie aufmerksam – als ob du ihre Fähigkeiten begutachtest. Sie werden es dir abnehmen.

Die Weigerung, in einem Zelt zu schlafen, hilft dir, dein Gesicht zu wahren. Allerdings eröffnet es ein neues Problem: Wo schlafen?
Die beiden bequemsten Möglichkeiten sind a) eine Luftmatratze hinten in deinem Auto oder b) einer dieser Entspannungssessel mit Wolldecke. Fertig ist dein Schlafplatz.

Notfalls tut’s eine Hängematte, wenn du sowas aufhängen kannst, eine selbstaufblasende Matratze (vorsicht, grenzwertig!) oder du tust so als würdest du draußen schlafen und spekulierst auf eine Mitreisende mit Helferinnensyndrom.

2. Gar = unbutch!

Bestehe darauf, dass gekochte Mahlzeiten absolut unbutch sind. Natürlich musst du, wenn du das tust, dein eigenes Proviant dabei haben. Zum Glück bieten sich da unendliche Möglichkeiten. Bete zuerst zur großen Göttin um einen stabilen Rücken, denn wer allein essen will muss auch allein schleppen. Du kannst Rauchfleisch und Kartoffelsticks in der Dose mitnehmen. Oder du machst es ein bisschen ausgefallener und legst dir einen Vorrat all dieser Outdoor-Lebensmittel zu, die sie in deinem Lieblings-Outdoor-Abenteuer-Laden haben – wie Energieriegel oder Eintöpfe, die ohne Erhitzen auskommen. Das ist das gleiche Zeug, das es im Weltraum zu essen gibt. Sehr cool. Sehr butchig.
L-talk hat sich schon mal eingehend mit der Frage butchiger Kochkunst befasst: Identitäten im Alltag. Ein Butch Kochbuch.

Aber auch hier gilt:”Wenn du planlos bist, spiel am besten gleich die Butchkarte aus.”

(Letterwolf)

Du hast damit ziemlich gute Chancen das eine oder andere Löffelchen Tofu-Eintopf gnädig akzeptieren zu müssen.

3. Du machst die Dokumentation

Solange du dich hinter der Kamera befindest und nicht davor, wird niemand merken, dass du offensichtlich weit außerhalb deines Elements bist. Nebenbei ist es echt witzig, schüchterne Leute beim Nacktbaden im Fluss zu erwischen, die Scout mit einem Schokoriegel oder ihrem geheimen Navigationsgerät zu ertappen und so weiter.

4. Anstiften und Vernebeln

Bring eine andere dazu, dass sie sich zutraut, ein Feuer mit ihren Brillengläsern zu entzünden. Oder mit selbst gesammeltem Moos. Oder mit einer Lupe, die aus Kaulquappenglibber gemacht ist. Je schriller desto besser.
Das wird den Druck, dich beweisen zu müssen, eine Weile wegnehmen. Vergiss nicht, wissend in dich hineinzulachen.

5. Erzähl lange Geschichten

Dein L-Wort heißt lamentieren. Sorge dafür, dass jeder und jede erfährt, was für eine erfahrene Camperin du bist. Berichte davon, wie dieser große Braunbär in der Nähe des Polarkreises dein Zelt aufgerissen hat, während du im Tiefschlaf warst, und wie du ihn zu Boden ringen musstest. Oder rufe, notfalls zum wiederholten Mal, ins Bewusstsein zurück, wie du einmal für drei lange Wochen in der Wildnis von Beeren und Zweigen leben musstest, als du dich nach dem Michigan Womyns Music Festival in Walhalla zu Fuß zum Grand Rapids International Airport durchgeschlagen hast und dabei ohne dein Verschulden (!) statt ein paar Tagen wochenlang …
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Anmerkung:
Wenn du die Outdoor-Tipps für Butches Nr. 1 bis 5 befolgt hast, könnte es passieren, dass deine Mitreisenden ein bisschen angenervt von dir sind. Erhöhe umgehend deine Sozialkompetenz, damit sie dich nicht auf und davon jagen.

6. Sorge dafür, dass du die besten Spielereien dabei hast

Den extravagantesten Kompass, iPhone, iPad, iTent, was immer das neueste auf dem Markt ist. Oder das coolste. Die Uhr, die einfach alles kann, das Taschenmesser mit den 80 Funktionen, Satellitennavigationssysteme, tragbare Wetterstationen. Du verstehst schon, worauf ich hinauswill. Wenn du mit Sport-Fans zusammen reist, sieh’ zu, dass du Sportergebnisse und News auf dein Handy laden kannst, für alle Fälle die Release-Party des aktuellen Lady Gaga Videos und so weiter. Du wirst froh sein, dich rechtzeitig darum gekümmert zu haben.

7. Spiel die beste Musik

Eine batteriebetriebene Anlage, besser noch Solar, mit MP3-Player sollte es bringen. Du weißt, welche Musik du brauchst (Melissa, Betty, Ani). Falls du mit Percussion umgehen kannst: Das ist noch besser.

8. Gib’ die Romantikerin

Ein paar gute Flaschen Chardonnay und ein paar Weingläser – obwohl es zwingend erforderlich ist, dass du sie zum Camp transportieren kannst, ohne Scherben zu produzieren. Lyrik kann nicht schaden. Vielleicht einige Shakespeare-Sonette? Walden ist auch nicht schlecht. Ein Buch von Suzie “Sexpert” Bright oder Felice Newman  kann zu einem interessanten Abend führen.

9. Nimm eine Menge Klopapier mit

Wenn du den Unterschied zwischen giftigen und ungiftigen Blättern nicht kennst, nimm lieber Klopapier mit. Überzählige Rollen abzugeben glättet alle Wogen.

10. Deine erstklassige Reiseapotheke ist dein Kapital

Jede Menge Sunblocker und Mückenschutzmittel (Insektenstiche und Sonnenbrand kann jede in eine Quengel-Liese verwandeln – und du weißt, wie unattraktiv wir Butches sind, wenn wir jammern.) Noch besser: Teile dein dreifach-starkes Aspirin, deine Solardusche, deine Zecken-Zange, dein Paracetamol-Ratiopharm oder deine Nebenhöhlen-Tabletten mit einer Frau in Not und du wirst ihrer Zuneigung für den Rest der Reise sicher sein.

Und jetzt los in die Wildnis! Schiefgehen kann jedenfalls nix mehr.

... so könnte es ...

(Haftungsausschluss: L-talk ist nicht verantwortlich für Schäden, die durch die Anwendung oder Erwägung oder Erörterung der oben genannten Outdoortipps entstehen!)

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6 Antworten auf Identitäten im Alltag: Outdoor Performance für die Butch

  1. Konny sagt:

    Ich werd’ ja diesen Sommer mit meiner Butch in der nordischen Wildnis verbringen. Ich bin gespannt, ob sie das alles befolgt.

    Und eins ist mir schon mal klar: Kochen werde ich!!! ;-)

  2. Schöne Übersicht an Tipps. Was man als Butch so alles beachten muss …
    Ich würde den Tipp mit der Apotheke als Top-Tipp krönen. Der sollte unbedingt beachtet werdens. Nichts ist nervigen als wenn man den Mückenschutz vergessen hat oder die Blasen nicht adäquat behandeln kann.

    Wobei ich persönlich als Outdoor-Liebhaberin Tipp Eins als unpraktikabel finde. Im kleinen Polo auf der Luftmatratze (die eh allgemein unpraktisch sind da zu groß und zu wenig Kälteschutz etc.) schlafen ist meistens eher unbequem und in der Hängematte nächtigen etc. kann kalt werden und insbesondere mit der fehlenden warmen Mahlzeit zum aufwärmen ist die fette Erkältung auch mit Aspirin kaum noch aufzuhalten. Und richtig romantisch ist ja nicht die Musik aus der Dose sondern Gitarre oder, wenn man das nicht kann, unkoordiniertes geschrammel auf einer Ukulele.

  3. Joni.T sagt:

    Danke für die Tipps, Bioschokolade, deine Argumentation überzeugt. Schätze, das mit der Übernachtungs-Alternative ist noch nicht wirklich ausgereift.

    Erstaunt war ich allerdings über den Vorschlag

    richtig romantisch ist ja (…) Gitarre oder, wenn man das nicht kann, unkoordiniertes geschrammel auf einer Ukulele.

    Ist Gitarre nicht ein bisschen old school? Oder funktioniert das immer noch?

  4. nene sagt:

    Gut das ich nicht auf Butch stehe. Ich finde es recht einfallslos heterosexuelle Rollenklischees zu übertragen

  5. Joni.T sagt:

    nene schrieb:

    Ich finde es recht einfallslos heterosexuelle Rollenklischees zu übertragen

    Wir auch :-)
    Was verstehst du denn unter heterosexuellen Rollenklischees?

  6. Okay, ich als Pfadfinderin (jaja, ich weiß, Klischee) finde Gitarre selbstverständlich nicht old school.
    Wobei ich viele Leute außerhalb meines Hobbys kenne, die so ein bisschen Gitarrenmusik schon schön finden. Gerade wenn jemand das gut spielen kann. Das wirkt am Lagerfeuer auch gleich anders. Wer das Instrument natürlich nicht so gut beherrscht sollte es wohl bei ein bis zwei Lieder belassen, danach nervt das rumgezupfe dann doch etwas.

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