Was Jugendliche heutzutage zum Coming-out brauchen…

Gut besucht: Einweihung KUSS41Eröffnung des ersten Jugendzentrums für LSBT-Jugendliche in Hessen

Ich war sichtlich beeindruckt: Schon vor ein paar Wochen, als ich das erste Mal das gerade neu eröffnete KUSS 41 (L-talk berichtete) betrat, fiel mir sofort die fundamental moderne Ausstattung ins Auge: Zwei Internet-PCs mit Monitoren, breiter als meiner im Büro, eine Musikanlage mit Boxen, die sich hören lassen können, die Musik programmierbar über einen Linux-Laptop und natürlich eine Wii, mit Monitor von über 1,20 Meter Breite! Mit Playstation – versteht sich! Und eine komplett eingerichtete Küche, in der man gesunde Snacks zubereiten kann. Wie schon gesagt: Ich war tief beeindruckt!

Es ist aber auch nötig: Heute war die offizielle Eröffnung des ersten Jugendzentrums KUSS41 für lesbische, schwule, bisexuelle und transidente (LSBT) Jugendliche bis 27 Jahren in Hessen. Bundesweit ist es die dritte derartige Einrichtung. So sagte denn auch Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU): “In anderen Städten werden soziale Einrichtungen geschlossen, bei uns eröffnen wir eine trotz der schlechten Finanzlage”. Die Anschubfinanzierung übernahmen die Stadt Frankfurt und das Land Hessen, die laufenden Kosten übernimmt die Stadt. Fest angestellt werden konnten zwei SozialpädagogInnen: Judith Eisert und Oliver König.

Natürlich ging das nicht von jetzt auf gleich. our generation, die lesbisch-schwule Jugendgruppe kämpfte jahrelang um ein solches Zentrum. 2004 beim Runden Tisch der Stadt Frankfurt für Lesben und Schwule empfohlen, nach jahrelangen Zwischenaufenthalt im Café Switchbord der Aidshilfe Frankfurt und nach zahllosen Gesprächen mit ebenso zahllosen Menschen war 2009 endlich Land in Sicht: Es gab die Zusage einer Anschubfinanzierung durch das Land Hessen und die Bereitschaft der Kommune, Räume zur Verfügung zu stellen. Sie wurden gefunden, sind zentral, mitten in Frankfurt, gut sichtbar von außen, die 160 qm wurden für die Jugendlichen angepasst und umgebaut und so konnte es am 15. April diesen Jahres endlich losgehen.

Das wurde heute gebührend gefeiert. Um die 200 Menschen – Jugendliche, SozialarbeiterInnen, JugendamtsmitarbeiterInnen, Land Hessen-Angestellte, Kirchenmenschen und weitere befreundete Einrichtungen trafen sich heute zur Eröffnung. Bäppi La Belle moderierte und scherzte, Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld hielt ein Grußwort und Staatssekretärin Petra Müller-Klepper (Hessisches Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit) eine informative Rede. Prof. Dr. Ulrike Schmauch von der FH Frankfurt steuerte Wissenschaftliches zur Situation von LSBT-Jugendlichen bei und our-generation-Vorstandsmitglied Michael Schäfer erzählte etwas von der Geschichte des langen Weges bis zur Eröffnung. 25 Jahre existiert der Verein our generation bereits – inzwischen sind die Jugendlichen alle schon dreimal erwachsen geworden, jetzt endlich hat die 4. Generation LSBT-Jugendliche einen “adäquaten Schutzraum”.

Ich hätte mir solch eine Einrichtung für mein Coming out vor exakt 26 Jahren auch gewünscht!

Die Reden waren kurzweilig, nach 53 Minuten eröffnete Bäppi das Büffet (Lob an die MacherInnen!) und so blieb viel Zeit für Kontakte und netzwerken.

Fünfmal in der Woche hat das KUSS41 geöffnet, mo – fr jeweils von 17 – 22 Uhr. Mittwochs ist Mädelstag und der Donnerstag ist für die Jungs reserviert. Da der Schritt in ein solches Zentrum vielen alles andere als leicht fällt, gibt es einen Abholservice – Email genügt!

Angeboten werden Beratung, das Café, ein NeueinsteigerInnentreff und je nach Wunsch Filmabende oder Partys. Eine kleine Theatergruppe, die heute bei der Eröffnung 2 Sketche aufführte, gibt es auch schon.

Hier Fotos von der Eröffnung…

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4 Antworten auf Was Jugendliche heutzutage zum Coming-out brauchen…

  1. Joni.T sagt:

    Klasse Fotos, die Einrichtung ist wirklich schön geworden! Aber ganz schön viele Alte in diesem Jugendzentrum ;-)

    Konny schrieb:

    Ich hätte mir solch eine Einrichtung für mein Coming out vor exakt 26 Jahren auch gewünscht!

    Haben es die jungen Leute heute leichter?
    Ich weiß nicht recht, irgendwie wirken sie nicht so. Bestimmt ist es schön, einen Ort zum Treffen zu haben. Andererseits fand ich es auch gut, alles selbst herauszufinden.

    Vielleicht kommen die Probleme einfach später, wenn es beim Start Unterstützung gibt. Ein klassischer Konflikt der Sozialpädagogik, vermutlich.
    Auf jeden Fall herzlichen Glückwunsch nach Frankfurt und alles Gute!

  2. Gini sagt:

    Glückwunsch an den Nachwuchs und Glückwunsch an die Generation, die KUSS41 ermöglicht hat. Endlich, endlich gibt es einen solchen Treffpunkt, Schutzpunkt, Rückzugsraum, Orientierungspunkt und was er für unsere Jugend bedeuten mag, nun auch in Ffm, an zentraler Stelle, gut erreich- und sichtbar. Und liebe Joni, auf die Probleme ist bestimmt Verlass und auf das Herausfinden eigener Wege ebenso. Ich hoffe dabei, dass durch die Existenz des neuen Jugendzentrums gesellschaftlicher Druck weniger Unsicherheit erzeugen wird, die Entwicklung der Persönlichkeit mit mehr Selbstverständlichkeit stattfindet und sich noch größeres Selbstbewusstsein breit macht. Eben mit diesem Ort, mit solchen Möglichkeiten der Unterstützung und mit der dahinterstehenden Lobby muss sich dabei keine wie eine Alien fühlen.
    Sag, liebe Konny, wo befinden sich denn nochmal die beiden anderen derartigen Einrichtungen?

  3. Konny sagt:

    Die anderen beiden Einrichtungen sind das anyway in Köln http://www.anyway-koeln.de und das Diversity in München http://www.diversity-muenchen.de.

    Dann gibt es noch kleinere an nur 2 Tagen geöffnete Einrichtungen wie The Point in Geldenkirchen http://www.thepoint-gelsenkirchen.de oder das Jugendzentrum Café Vielfalt in Essen http://jugend.svls.de/e_cv/einrichtung.php.

  4. Das ist eine wunderschöne Idee, ich freue mich sehr darüber. Und wir könnten noch viele schöne Dinge für die jungen Leute schaffen, meine ich.

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