Reif für die Insel. So haben sich die meisten sicher schon einmal gefühlt, und manche zieht es zum Abschalten nicht nur im übertragenen Sinne auf ein Eiland. Der umgekehrte Fall, dass jemand sich reif für das Festland fühlt, ist zwar nicht im allgemeinen Sprachgebrauch beheimatet, aber durchaus nachvollziehbar für diejenigen, die offen sind für „Leise Töne“…
Von Amrum nach Gotland
Marthe nutzt die erste sich bietende Gelegenheit, die Enge Amrums und des lieblosen Elternhauses hinter sich zu lassen. Freiheitsdrang und ein unbändiges Bedürfnis nach Selbstbestimmung führen sie über Umwege nach Berlin. Hier, im Trubel der Großstadt, kann sie ihre Vergangenheit ausblenden, und hier kommt es zu einer flüchtigen, aber nachhaltig beeindruckenden Begegnung mit der Musikerin Ebba. Als sich Marthe drei Jahre später spontan zu einem Trip nach Gotland überreden lässt, beschließt sie, nach der dort lebenden Ebba zu suchen – unnötig, denn diese steht plötzlich vor ihr. Diesmal verlieren sich die ungleichen Frauen nicht wieder aus den Augen, werden vielmehr bald ein Paar, ein Paar, das seinen Alltag über viele Jahre hinweg in verschiedenen Welten lebt – nicht nur räumlich. Bei aller Liebe und wachsender Vertrautheit: Ebba gehört
nicht zu den Menschen, in denen man wie in einem aufgeschlagenen Buch lesen kann, selbst für Marthe bleibt sie oft rätselhaft. An dem, was in ihrem Kopf vor sich geht, lässt sie niemanden teilhaben, und deshalb ahnt Marthe nichts von der dunklen Wolke, die sich von hinten auf Ebba zuschiebt – und damit auch auf sie selbst…
Leise Töne, große Fragen
Leise Töne, große Fragen – sie ziehen sich durch den fast 500 Seiten starken neuen Roman von Karen-Susan Fessel. Eine Fülle von bedeutsamen Themen, interessante Charaktere bis in die „Nebenrollen“ hinein – da hätte durchaus die Gefahr bestanden, den Roman zu überfrachten, ihn zu gewollt wirken zu lassen, aber hier war eindeutig ein Profi am Werk, hat Risiken in Chancen verwandelt und zu einem äußerst gelungenem großen Ganzen bzw. zu etwas ganz Großem zusammengefügt. „Leise Töne“ laden nicht nur dazu ein, gebannt einer glänzend komponierten Geschichte zu lauschen, sondern regen gleichzeitig wie nebenbei dazu an, auch in sich selbst hineinzuhorchen.
Ein melancholisches, sehr berührendes, ausgesprochen lesens- und empfehlenswertes Buch!
Leise Töne
Roman von Karen-Susan Fessel
Querverlag, 2010
gebundene Ausgabe: 400 Seiten, ISBN: 978-3896561824.
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Lesetermin in Kiel
- Der Lesetermin mit Karen-Susan Fessel am 10. Dezember 2010 in Kiel findet nicht statt, sondern wurde auf Anfang Februar 2011 verschoben.
Probekapitel
- Hier geht es zu einem Probekapitel beim Quer Verlag
Karen Susan Fessel im Internet
- Homepage karen-susan-fessel.de
- Terminkalender Lesereise


Das Buch handelt in 3 Zeiten, die Jugend auf Amrum, die Jahre in Berlin und dem Jetzt . Das gibt ihm Spannung. Die Figuren begleiten die Leserin, Marthe, Harm und Hannes, ein Buch auch über Freundschaft fürs Leben . Ebba bleibt hingegen im Hintergrund. Ein Buch über Liebe, Distanz, aber auch das wiederkehrende Thema von KSF, ich habe danach nochmal Bilder von ihr gelesen und fand die Figuren sehr ähnlich: eine Frau, die flieht vor Nähe und spät merkt, was ihr wichtig ist, eine Frau, die distanziert wirkt, aber viel mehr Nähe und Treue zuzulassen scheint, der Kreis Berliner Freunde. Ein Hund.
Gut geschrieben, unterhaltsam, aber wenig überraschend. Für die meisten Leserinnen sicher vieles wiedererkennbar.
Karen Susan Fessel hat heute, am 15. Dezember, Geburtstag!