Zur Zeit läuft in vier deutschen Städten – Berlin, Frankfurt, München und Köln – jeweils eine Woche lang das queere Verzaubert Filmfestival. Es findet jedes Jahr statt, in diesem Jahr bereits zum 18. Mal. Obwohl nur eine Lesbe im Team ist, Friederike Dellert, sind 25% der Filme lesbisch; Link zum Frauenprogramm. Deshalb hier ein ausdrücklicher und herzlicher Dank an Friederike Dellert! Denn: Es sind gute bis sehr gute lesbische Filme, die dort gezeigt werden!
Am Sonntag wird in einer Matinée-Vorstellung um 11 Uhr jeweils der Film I Can’t think straight gezeigt. Von 11 Uhr bis 11.30 Uhr gibt es Croissants und Kaffee, ab 11.30 Uhr Film. Leider war die Vorstellung so voll, dass frau sich zwischen Croissant mit socialising und gutem Sitzplatz entscheiden musste. Der Film selbst ist klasse, wenn man nicht allzu kritisch ist, er bedient alle Klischees von reichen, schönen, jungen, dünnen, gutaussehenden Frauen, die man sich nur denken kann. Aber da wir ja sowieso alle politically correct sind, dürfen wir solch einen Film einfach als das sehen, was er ist: gute lesbische Unterhaltung am Sonntag morgen! Der Film ist übrigens von der Autorin/Regisseurin von The World Unseen, Shamim Sarif. Die Hauptdarstellerinnen in beiden Filmen sind dieselben. In I Can’t think straight geht es um die Liebesgeschichte von Tala und Leyla, um Coming Out, schwierige Verwicklungen und es dauert, bis sie sich endlich kriegen ;-)
Völlig positiv überrascht hat mich am Samstag Nachmittag der Film Tru loved. Tru ist siebzehn, hetero, und hat es besonders hart getroffen: Während normale Jugendliche sich mit einem Elternpaar rumstreiten, wollen in ihrem Fall je zwei lesbische Moms und schwule Dads nur das Beste für ihr Mädchen. Sie geht auf eine High School in einem amerikanischem Vorort und hat Dates mit einem Jungen, Lodell, der schwul ist, aber aus Angst vor einem Coming Out Tru als Freundin auserwählt hat. Tru spielt das Spiel anfangs mit, aber als sie eine hetero/homo Jugendgruppe, die „Straight/Gay-Alliance“ an der Schule ins Leben ruft, merkt sie, dass es viel mehr Lesben und Schwule an ihrer Schule gibt, als sie zunächst dachte. Letztendlich outet sich auch Lodell und selbst die Reaktion seines besten heterosexuellen Freundes ist positiv.
Der Film ist äußerst realistisch, wird locker und spannend erzählt und ist grandios besetzt. Es gibt ein Wiedersehen mit der Schauspielerin Jane Lynch, die in The L-Word die lesbische Rechtsanwältin Joyce Wischnia spielt. Nichelle Nichols, Lodells Großmutter, dürfte vielen bestens bekannt sein aus ihrer Rolle als Lt. Uhura in der Star Trek Television Serie. Insgesamt ein schöner Coming Out-Film, der auch locker in heterosexuellen Bezügen gut ankommen dürfte!
Nun berichte ich noch von der Kurzfilm-Nacht The Elle World. Insgesamt wurden 10 Filme gezeigt zwischen 4 und 19 Minuten lang, insgesamt 130 Minuten. Am besten gefallen hat mir Happy Birthday von Roberta Munroe. Darin geht es um zwei Butch-Femme Paare und was passiert, wenn die jeweiligen Partnerinnen die Rollen tauschen ;-) Zum Piepen!
Ebenfalls gefallen hat mir Pit Stop von Melanie McGraw. Das ist ein leiser Film über ein 10-jähriges Mädchen, das für ca. 2 Stunden bei einer lesbischen Tankstellenbesitzerin strandet, weil ihre Großfamilie sie vergessen hat. Das Mädchen hat eine Kamera und fotografiert alles und die Tankstellenbesitzerin lässt sie für 2 Stunden in ihr Leben. Nicht wirklich ein “Lesbenfilm”, aber ein schöner!
Duck Soup von Kathrin Goldie hat mir ebenfalls gefallen. Die eine isst, ihre Liebste ist angewidert. Selten so eklige Entensuppe gesehen! ;-)
Und dann habe ich noch Affinity gesehen, hier eine szenische Zusammenfassung:
Affinity ist die Verfilmung des Buches Selinas Geister von Sarah Waters. Erzählt wird die unheimliche Geschichte um Freundschaft und Verrat zweier gegensätzlicher Frauen: Margaret lebt mit ihren 27 Jahren noch bei ihrer Mutter und gilt damit im viktorianischen England bereits als alte Jungfer. Bei der Verrichtung karitativer Arbeit im Frauengefängnis lernt sie die Gefangene Selina kennen. Es entsteht eine intensive Beziehung zwischen den beiden. Margaret verliebt sich in Selina und Selina scheint diese Liebe zu erwidern. Doch Selina steht mit ‚Geistern’ in Verbindung, die ihr helfen sollen, aus dem Gefängnis zu fliehen. Dafür braucht sie auch Margarets Hilfe…
Der Film ist klasse, so wie das Buch, es gibt ihn inzwischen auch auf DVD in der englischen Originalfassung, die im übrigen hervorragend zu verstehen ist.




Verzaubert – bezaubert war auch ich von “I can’t think straight”. Das ist so ein schöner, lesbischer Film mit schönen, lesbischen Schauspielerinnen, perfekten arabischen Müttern (Achtung: zwei unterschiedliche Klischees, beide in höchster Ausprägung), verständnisvollen arabischen Vätern, schicken Klamotten, historischen Kulissen, einer zickigen und einer genau richtigen Schwester, mit etwas politischer Kulisse, prachtvoll auf die Schippe genommen … besser kann ein Sonntag gar nicht beginnen.
Danke für die super Zusammenfassung, Konny!
Uh, bis auf das Sonntagsmatineeprogramm alles Filme, in denen ich/ wir nicht waren.
Für das Matinee sollten sich die Veranstalterinnen wirklich was einfallen lassen.
Weil ich war schon ziemlich enttäuscht, nicht “meinen” im Kino einnehmen zu dürfen und dass obwohl wir seit Kinokartenkaufstart die Karten besaßen.
Und Kaffee und Croissant konnten aufgrund des Hin und Her auch nicht so recht genossen werden… *soifz*
Vielleicht liest ja eine der Veranstalterinnen den Lösungsvorschlag meiner Frau in meinem Blog?
“meinen” Platz
Ich schick zu schnell ab…
Mir hat “Affinity” nicht gefallen. Besonders das Ende war mal wieder aus meiner lesbischen Sicht fürchterlich. Und “I can’t think straight” war zwar ein typischer “hach, ist das schön”-Film, aber halt auch voll mit scheußlichen Klischees und verständlislosen und ablehnenden Müttern, während die Väter mal wieder Verständnis zeigen. Ich bezweifle, dass in indischen und arabischen Kulturen (auch wenn hier arabische Christen gemeint waren) Väter sich so verhalten. Sie tun’s ja auch nich in unserer Kultur.
Den schweizerischen Kurzfilm “Tanz ins Glück” fand ich richtig süß: eine Putzkraft verliebt sich in ihre Arbeitgeberin. Kitschig, aber schee war’s schon!