Hessen: Runder Tisch zu Homophobie

PublikumAm 25. September 2009 fand im Hessischen Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit in Wiesbaden im Referatsbereich “Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen” ein Runder Tisch der Hessischen Lesben- und Schwulengruppen zum Thema Homophobie statt. Ca. 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ca. 25 Institutionen, Behörden und (Selbsthilfe-)Initiativen erlebten einen anregenden und informativen Tag rund um das Thema Homophobie.

Das Grußwort sprach Staatssekretärin Petra Müller-Klepper. Statt einer erwarteten kurzen Rede hatte sich Frau Müller Klepper allerdings so gut vorbereitet, dass ihr Grußwort eher einem Grundsatzreferat zu Homophobie  entsprach (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Homophobie).

Homophobie tritt in unterschiedlicher Weise auf. Je nach Ausprägung reicht Homophobie von Vorurteilen über Zerrbilder, Diskriminierung, Unterdrückung bis hin zu Hass und körperlicher Gewalt. Die häufigste Form sind verbale Aggressionen im öffentlichen Raum.

Heutzutage ist Homophobie insbesondere bei Jugendlichen weit verbreitet. Ursache ist oft die Unkenntnis über das Leben von Lesben und Schwulen, ihre Probleme, ihre Schwierigkeiten in einem heterosexuellen Umfeld. Wenn Schüler sich gegenseitig mit „schwule Sau“ beschimpfen, wissen die wenigsten überhaupt, was „schwul“ bedeutet.

Das war mit ein Grund, warum wir Hans-Wolfram Stein als Referenten eingeladen hatten, sein Schulprojekt „Das Recht, anders zu sein – gilt auch für Homosexuelle” vorzustellen.

Neun Monate lang haben sich Schülerinnen und Schüler der Klasse 2HH 05/07 des Schulzentrums Walliser Straße in Bremen mit dem Thema Homosexualität und Homophobie an der eigenen Schule und in der Gesellschaft auseinandergesetzt. Die Ergebnisse dieses Projektes unter Anleitung des Politiklehrers Hans-Wolfram Stein sind jetzt in der Broschüre “Das Recht anders zu sein gilt auch für Homosexuelle” zusammengefasst.

Am Nachmittag berichteten Polizistinnen und Polizisten aus Hessen und Rheinland-Pfalz über ihre Erfahrungen mit Straftaten mit homophoben Hintergrund. Da seit der Abschaffung des § 175 nicht mehr erfasst wird, ob Straftaten im “homosexuellen Millieu” stattfinden, gibt die Statistik nicht sehr viel her. Die meisten Überfallenen haben Angst eine Anzeige zu erstatten, weil sie befürchten, sich dann gegenüber einer Behörde als “schwul” outen zu müssen. Andererseits nutzen Täter genau diesen Umstand, weil “Schwule” damit leichte Opfer sind und sie eine Strafverfolgung nicht fürchten müssen.

Der Appell der anwesenden Polizistinnen und Polizisten war deshalb: auf alle Fälle anzeigen, am besten sich an einen Ansprechpartner bzw. eine Ansprechpartnerin für Lesben und Schwule bei der Polizei wenden (die in fast allen Bundesländern angesiedelt sind). Denn: Täter handeln nur, wenn sie nicht befürchten müssen, dass ihre Straftat nicht geahndet wird.

Siehe auch:  Hamburger Abendblatt vom 30.09.09:  Zu wenig Anzeigen nach Attacken auf Schwule

Zu wenig Anzeigen nach Attacken auf Schwule

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