Lesben, Politik und Barack Obama

Über Lesben in den USA gibt es immer wieder Erstaunliches zu berichten.

Zunächst mal schrumpfen wir: Von irgendwas zwischen 5 und 10 % über 4 bis 5% auf nun noch genau 2.9%. Und das kam so:

Die Human Rights Campain gab bei der New York University eine Studie in Auftrag … und dafür wurden Amerikanerinnen und Amerikaner befragt. Nicht im Zusammenhang mit Wahlen, wie bei bisherigen Erhebungen, sondern mit einer Telefonumfrage. Die bisherigen Umfragen haben nämlich, so Professor Patrick Egan, einer der mit der Untersuchung befassten Wissenschaftler, Lesben und Schwule überrepräsentiert, weil wir – so Egan – politisch interessierter sind als der Durchschnitt und daher auch öfter zu Wahlen gehen.
Das ist, meinen die Autorinnen und Autoren der Studie, teilweise darauf zurückzuführen, dass Lesben und Schwule während ihres Coming Out eine Sensibilität für ihr Umfeld und für die Gesellschaft entwickeln.
Diejenigen, die schon länger in der Community unterwegs sind, werden sich nicht darüber wundern, dass unterschiedliche Generationen von Lesben und Schwulen jeweils ihren eigenen Zugang zur Community haben … und ganz unterschiedliche Prioritäten. Die Studie will einen umfassenden und repräsentativen Blick auf die Lesben, Schwulen und Bisexuellen in den USA heute ermöglichen, weil sie speziell für diese Bevölkerungsgruppen konzipiert wurde. Transsexuelle sind ausdrücklich nicht mit erfasst worden, weil ihre Zahl zu gering für eine repräsentative Ausasge ist.
Obwohl der Anteil der Lesben, Schwulen und Bisexuellen geringer ist als nach bisherigen Erhebungen angenommen, zeigen die Ergebnisse, dass sie einen überproportionalen Einfluss auf politische Prozesse haben – nicht nur durch Beteiligung an Wahlen, sondern besonders durch Engagement: Beteiligung an Kampagnen, Zuschriften zu Zeitungsartikeln, Briefe an Regierungsstellen, Organisation von Demos und so weiter.

“Genau diese Art von schwer umgrenzbarem Konzept, sich innerhalb der eigenen Community aktiv einzubringen ist es, die in der Politikwissenschaft für wünschenwert gehalten wird”, sagte Professor Egan, “und nach den Ergebnissen sind Lesben, Schwule und Bisexuelle in ihren Communities weit engagierter als der Rest der Bevölkerung.”
“Irgendwo im Coming Out Prozess steckt ein Katalysator, der Lesben, Schwule und Bisexuelle motiviert, sich in das öffentliche Leben einzumischen.”

Den ganzen Artikel gibt es auf advocate.com.
Unsere Art, in der Welt zu sein ist es auch, nehme ich an, die offen lesbisches (oder schwules) Leben zu einem der Türöffner für lesbische oder schwule Belange macht. Wer eine echte Lesbe im echten Leben kennt, findet uns nicht mehr ganz so erstaunlich … und für manche werden wir ganz normal.
Barack Obama hat auch so angefangen, aber, ganz geschlechtsspezifisch, mit einem männlichen Vorbild:
Klar war es sein Mutter (klar wegen 1. USA / Werte, 2. christlich / Werte, 3. Wahlkampf / Werte), die ihm vorgelebt hat, dass jeder Mensch wertvoll ist … aber dann gab es da auch einen Professor. Die erste offen schwule Autoritätsperson, die der junge Barack Obama kennenlernte. Er sei so sehr er selbst gewesen und habe sich so wohl in seiner Haut gefühlt, sagte Obama dem Advocate. Die Freundschaft mit diesem Mann brachte ihn dazu, sich mit dem Thema zu beschäftigen und er hatte einen starken Einfluss auf Obamas Entwicklung.
Das Interview, dass Kerry Eleveld mit Barack Obama über LGBT-Belange führte, findet sich komplett auf Advocate.com.
Wenn mich das nicht überzeugt hätte und auch nicht, dass Barack Obama ein eigenes Pride-Logo (s.o.) hat entwickeln lassen (bestimmt in Folge des LGBT-Engagements, von dem in der Studie oben die Rede war), hätte folgendes bestimmt dazu beigetragen:
Am Donnerstag, 17. April besuchte Jennifer Beals (ja! Bette Porter! The L-Word!) Philadelphia, sie war in öffentlichen Gesundheitseinrichtungen, nahm an einem Forum von LGBT-Gruppen teil … und nutzte die Gelegenheit zu erklären, warum sie die Kandidatur von Barack Obama unterstützt.

Ich war immer misstrauisch gegenüber Politikern und ich habe verschiedene von ihnen getroffen und sie haben mich nicht wirklich überzeugt. Nicht, bevor ich Barack Obama traf und ihn davon sprechen hörte, dass es die Chance für einen Wechsel gab – dass jemand tatsächlich die Denkmuster oder sogar die Psychologie von Politik ändern könnte. Dies ist das erste Mal, dass ich einen Präsidentschaftskandidaten unterstütze, und ich habe mich dafür entschieden wegen Senator Obamas einzigartigem Wunsch, die Menschen in den Prozess des Politikmachens einzubeziehen.

weiter und mehr auf pride.barackobama.com
Dieser Beitrag wurde unter Identitäten, Politiken abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.