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pink Dollar, lila Euro: Investmentfonds unter dem Regenbogen

geschrieben am 4. Februar 2010 von Joni.T --> · 6 Kommentare

Wirtschaftskrise, Finanzcrash und zunehmende Schwierigkeiten für innovative Unternehmens-Ideen – da überlegten sich zwei schwule Investmentbanker, ein spezielles Angebot für LGBT-Anlagen einzurichten: LGBT Capital.

LGBT Capital spezialisiert sich auf Unternehmensberatung und Vermögensverwaltung für die Bereiche lesbischer, schwuler, bi- oder transsexueller Konsumentinnen und Konsumenten und gehört zur Galileo Group, einem internationalen Unternehmen mit Niederlassungen in London und China.  Geplant ist eine klare Ausrichtung auf LGBT Unternehmen. Dahinter steckt die Überlegung, dass mit zunehmenden Rechten für LGBT Lebensweisen das Interesse an Investitionen wächst, um den neuen, selbstbewussteren Markt zu füttern. Das Spektrum der Angebote soll die Finanzierung neuer Unternehmen ebenso umfassen wie Unterstützung bei der Expansion oder Geldanlagen.

Für 2010 ist ein spezieller LGBT Investment Fonds geplant, also ein Fonds, der in Unternehmen mit lesbischer, schwuler, bi- oder transsexueller Ausrichtung investiert.

Unstreitig ist, dass Lesben Geld haben: weniger als Schwule vermutlich, wegen der Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen weltweit … nichtsdestotrotz: Lesben machen teure Urlaube, kaufen sich Eigentumswohnungen, Autos, Häuser, Anteile in Wohnanlagen, Kleider, Schmuck, Kultur … und einige Lesben wollen ihr Geld in Aktien und Beteiligungen anlegen. Bisher gibt es Umweltfonds und ethisch orientierte Geldmarktfonds, die auch darauf achten, dass Antidiskriminierungsregeln eingehalten werden. Was es noch nicht gibt ist eine Geldanlage, die explizit auf Unternehmen ausgerichtet ist, die am Regenbogen-Markt wachsen wollen.

“LGBT-orientierte Geschäftsleute haben häufig den Wunsch zu expandieren, aber mitunter fehlt es an Erfahrung, der richtigen Kapitalstruktur oder dem Know-How, um eine Finanzierung zu bekommen”,

sagte Paul Thompson, einer der Gründer von LGBT Capital.

“Wir glauben, dass es eine bemerkenswerte Chance ist, das finanzielle Fachwissen, das typischerweise im Investment Banking vorhanden ist, LGBT Unternehmen zur Verfügung zu stellen, was im Gegenzug hochwertigen Unternehmen eine gesicherte Finanzierung ermöglicht.”
(zitiert nach Cyrus Sanati: Galileo Sets Up …)

Im – heterosexuellen – Mainstream ist die Macht des Geldes, das Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender ausgeben, wohl bekannt, das sieht man an Werbung, die sich im- oder explizit an die eine oder andere Zielgruppe richtet. Gleichzeitig ist es schwierig für Unternehmen, die mit LGBT-Ausrichtung gegründet werden, eine adäquate Finanzierung zu finden, weil die Zielgruppe für die meisten Banken ein Buch mit sieben Siegeln ist und die Erfolgschancen für die Sparkasse um die Ecke oder für die Wirtschaftsförderung im Ministerium schwer einzuschätzen sind.

Die Mutterfirma Galileo verweist auf eine britische Studie, die deutlich macht, dass 80% der Unternehmen, die sich an die lesbische, schwule, bisexuelle und trangender Community in London richten, einen Mangel an Fachwissen über Finanzierungsmöglichkeiten beklagen. Gleichzeitig finden potenzielle Geldgeberinnen und Geldgeber aus derselben Zielgruppe keine passenden Anlagemöglichkeiten.

Es war also nur eine Frage der Zeit, bis ein paar schwule Investment-Banker den Schritt wagen.

An uns Lesben liegt es, ob es beim “pink Dollar” bleibt oder ob noch ein paar “lila Euros” fließen!
__

Links und Quellen:

  • Julie Bolcer: LGBT Capital Fund First for Gay Market, Advocate.com, 4.2.2010
  • Cyrus Sanati: Galileo Sets Up LGBT Capital for Gay Market, DealBook, The New York Times, 4.2.2010
  • Homepage von LGBT Capital, lgbt-capital.com

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6 Antworten bis jetzt ↓

  • 1 Konny // Feb 4, 2010 at 22:12

    Ich finde das eine hervorragende Idee! Schade, dass mal wieder zwei Schwule und nicht zwei Lesben darauf gekommen sind. Haben wir doch heute erst vom Deutsche-Bank-Chef gehört, dass sich mit Investments viel Geld verdienen lässt. Ich fände es gut, wenn auch eine solch diskriminierte Minderheit wie Lesben wenigstens reich würden. Und sich kapitalistisch “verdorben” von L-Firma zu L-Firma hangeln würde. Das ist allemals besser als sich als vom Staat abhängiges unterfinanziertes Frauenprojekt oder gar Lesbenprojekt (gibt es da noch welche?) auszubeuten und dem Burn out in der F-Klasse zu frönen.

    Unser Stück vom Kuchen. In dem Fall sogar Torte. Ich bin dafür :-)

  • 2 pfefferkorn // Feb 5, 2010 at 12:12

    ich halte es für eine überprüfenswerte idee -
    ich gehör immer noch zu denen, die ihr Geld – so sie welches überhaben – in lokalen genossenschaften anlegen -
    und ich möchte eigentlich nicht in onlinedienste wie gayromeo investieren – und der DeutscheBankchef ist nicht mein lieblingsberater – insofern “look what ist behind” zumindest für diejenigen, die außer lesbisch auch noch kapitalismuskritisch sind, oder?
    meist verdienen diejenigen mehr geld, die viel haben – das “kleine” investment ist auch ökonomisch mit vorsicht zu genießen

  • 3 Maedchenmannschaft » Blog Archive » Helle Blogs // Feb 6, 2010 at 09:31

    [...] berichtet über die Firmenidee zweier Investmentbanker, Anlagenfonds und Vermögensverwaltung speziell für eine lesbische, [...]

  • 4 Bad Hair Days // Feb 6, 2010 at 12:28

    Netter Bericht, leider hat sich ein Fehler eingeschlichen:
    > oder transsexueller Ausrichtung

    Transsexualität ist keine “Ausrichtung” sondern eine medizinische Kondition mit eben solchem Handlungsbedarf.

  • 5 Joni.T // Feb 6, 2010 at 19:51

    Vielen Dank, Bad Hair Days, das stimmt und ich weiß es. Ich habe gleich einen Schreck bekommen, als ich deinen Hinweis gelesen habe und genau nachgesehen:
    Die drei Nennungen von “Ausrichtung” beziehen sich- grammatikalisch – nicht auf Personen, sondern auf die Ausrichtung der Unternehmen bzw. des Angebots.

    Geplant ist eine klare Ausrichtung auf LGBT Unternehmen.

    sowie

    (…) eine Geldanlage, die explizit auf Unternehmen ausgerichtet ist, die (…)

    und

    Unternehmen mit lesbischer, schwuler, bi- oder transsexueller Ausrichtung

    Dennoch: Jedem Missverständnis liegt etwas zu Grunde, das misszuverstehen ist, deshalb bin ich sehr froh, dass du nochmal explizit darauf hinweist.

  • 6 lucina // Feb 7, 2010 at 11:39

    Also nee, ich weiß nicht … ich habe mir gerade mal deren Website unter http://www.galileo-group.co.uk/main.php angeschaut, und für mich klingt das alles ein wenig wie die altbekannte Investmentbanking- und Consulting-Sch**ß*, die in den letzten Jahren jede Menge an Geld verseknt hat und jetzt mal eben ne neue Zielgruppe entdeckt hat.

    Ich finde dort rein gar nichts über deren Investments, außer dass sie gerne Geld nach China tragen – da sind andere deutlich auskunftsfreudiger, auch was zum Beispiel ethisch sinnvolle Anlegen angeht. Da nur das Wort ‘LGBT’ zu lesen ist mir etwas schwach.

    Ich bekomme regelmäßig Post von solchen Firmen, und für mich hinterlässt das meist das schale Gefühl, mich unter die Wölfe zu begeben. Lächeln alle nett, aber wolle nur mein Geld.

    Lasst uns selbst Alternativen schaffen! Unsere Kohle sinnhaltig zirkulieren lassen!

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