Selber peinlich! Regenbogenfahne in Hamburg
geschrieben am 22. Juli 2008 von Joni.T --> · 2 Kommentare
BILD findet es eine Schlagzeile wert: Ärger um Schwulen-Flagge am Rathaus. (21.7.2008)
Und tatsächlich droht Ungemach, soll doch das Hissen der Regenbogenfahne zum CSD – eine der wenigen materiellen Errungenschaften der Grün Alternativen Liste für Lesben und Schwule bei den
Hamburger Koalitionsverhandlungen – ein bisschen … sagen wir …. eingeschränkt werden.
Nicht mehr während des gesamten CSD soll sie wehen, sondern nur dann, wenn gerade keine Trauungen im Rathaus stattfinden – konkret: am Donnerstagabend schon, aber am Freitagnachmittag lieber nicht aber danach wieder gern …
Wobei die Bild natürlich mit ihrer Kritik etwas daneben liegt:
„Es soll die Erinnerung an den schönsten Tag im Leben werden – und dann das: Auf dem Hochzeitsfoto vorm Rathaus prangt im Hintergrund die Regenbogenfahne, das Symbol aller Schwulen und Lesben! Genau diese Peinlichkeit drohte jetzt wahr zu werden.“
… also, bedenkend, was sonst für Entsetzlichkeiten auf Hochzeitsfotos zu sehen sind, kann’s so eine Fahne eigentlich nicht mehr wirklich verreißen …
Die Pressestelle von Hamburg Pride e.V. macht es auch nicht besser, wenn sie darauf hinweist:
„Schließlich ist die Regenbogenflagge nicht nur Symbol der Gleichberechtigung von homo- und bisexuellen sowie transidenten Menschen, sondern wird in leicht veränderter Form auch von der Friedensbewegung genutzt.“
Denn selbst wenn die Regenbogenflagge von einem winzigen Häufchen seperatistischer Lesben verwendet würde – wären deren Rechte nicht genauso viel wert wie die der ganzen Friedensbewegung? Und ist es wirklich ein Fortschritt für die Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender, wenn jemand erleichtert darauf hinweisen kann „nicht bei den Homos, sondern nur bei der Friedensbewegung“ gewesen zu sein?
Also, ich weiß nicht. Hoffentlich ist das alles nur eine Zeitungsente und die Grünen haben mal wieder reflexhaft in jedes ihnen vor’s Gesicht gehaltene Mikrofon gebissen.
mehr zum Thema: · CSD, Politik, Pride, Sichtbarkeit
2 Antworten bis jetzt ↓
1 Anonymous // Jul 23, 2008 at 09:51
“Nicht immer sind es die schlüssigste und intellektuellsten Bewegungen, die am erfolgreichsten sind. Tatsächlich ist eine Bewegung gerade wegen ihrer Mittelmäßigkeit und logischen Elasitizität erfolgreich: ‘anything’ goes, dir krassesten Kompromisse sind möglich, und gerade diese könnten die Ursache des Erfolgs sein.” meint Antonio Gramsci (1891-1937)
wenn nun diejenigen, die gern die Regenbogenfahne an allen Tagen der CSD-Woche am Hamburger Rathaus hängen sehen möchten, ihren heterosexuellen Gegner*nnen vorschlagen, selbst eine Fahne zu entwickeln, vielleicht in den gleichen Farben, nur andersrum sortiert, und die das dann einen krassen Kompromiss finden, welche Bewegung wird in Gramscis Sinne dann erfolgreicher sein?
2 Anonymous // Jul 25, 2008 at 09:59
Nun. Es war wirklich eine Zeitungsente. Nachzulesen im Bildblog: http://www.bildblog.de/3101/doch-keine-schwule-fahnenflucht-ii/
Was da real stattgefunden hat, wird man vermutlich nie rausfinden. Vielleicht war auch nur der Wunsch der Vater des Artikels …
Schreib einen Kommentar