Schlagwort-Archiv: USA

Kalenderblatt Kay Tobin Lahusen

Kay Lahusen
Kay Lahusen 2001 vor ihren The Ladder-Titelbildern
Am 5. Januar 1930 in Cincinnati geboren, entflammte Kay Lahusen schon früh für die Fotografie. Das lesbische Leben kam später hinzu, beginnend in ihrer Collegezeit und verbunden mit der tiefen Überzeugung, dass Vorurteile und Diskriminierung moralisch falsch sind.

Sie trat den Daughters of Bilitis bei, der ersten politischen Lesbenorganisation der USA. 1961 lernte sie (natürlich bei einer Veranstaltung der Daughters of Bilitis!) Barbara Gittings kennen, deren Name bis heute zusammen mit dem Franklin E. Kamenys für die politische Gleichstellung und die Entpathologisierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transidenten steht. Die beiden Frauen blieben bis zu Gittings Tod 2007 ein Paar. Gittings übernahm die Herausgabe des berühmten Lesbenmagazins The Ladder und Lahusen wurde Ladder-Fotografin. Von ihr stammen spektakuläre Titelbilder wunderbarer Frauen.  Weiterlesen

Kate Bornstein, Bild: Eden Books

Ein schädlicher Einfluss, Kate Bornstein

Nach fast zwanzig Jahren hat sich endlich ein Verlag getraut, ein Buch der Trans* und Queer Ikone Amerikas, Kate Bornstein ins Deutsche zu übertragen. Eden Books bringt „A Queer and Pleasant Danger?“ Kate Bornsteins Biografie auf Deutsch heraus.

Der deutsche Titel von „A Queer and Pleasant Danger?“ (mit Fragezeichen) „Ein schädlicher Einfluss“1), (ohne Fragezeichen) verstehe ich nicht. Was ist damit gemeint? Wer oder was ist der schädliche Einfluss? Ist es Kate? Ist es ihr Trans* sein? Ist es ihre Zeit bei den Scientologen? (Ja sie hat 12 Jahre bei den Scientologen verbracht).

Ich finde der Original Titel: „A Queer and Pleasant Danger?“, (mit Fragezeichen), wird dieser äußerst witzig geschriebenen Biographie, in allem weitaus gerechter. In Tonfall, in Ironie, vor allem in Authentizität, in dem was Kate uns in diesem Buch erzählt, aus dieser Welt jenseits der Heteronormativität, jenseits der nach Außen dargestellten Matrix unserer Gesellschaft.

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Homo-Ehe: Ja. Heteronormativität hinterfragen? Nee.

Gastbeitrag von Magda

Mache ich zur Zeit den Computer an, springt mir ein Meer an roten Flaggen entgegen. Auf Facebook undTwitter haben viele meiner Kontakte ihre Profil­bilder gegen ein rotes Bild mit zwei rosa Strichen getauscht – ein Zeichen der Unterstützung für die aktuellen Kämpfe in den USA für die Öffnung der Hetero-Ehe (und die damit ver­bundenen Privilegien) für lesbisch- und schwul-lebende Paare mit Heirats­wunsch.

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Jeanne Lessenich: Böse Mädchen

Ein Beitrag von  Jeanne Lessenich

(auf einem Seminar):

Eine Frau aus dem Publikum fragte: „Warum sind da so wenig Frauen auf der Liste? Warum sind so wenige Frauen in diesem Programm in dieser ganzen Woche? Und warum sind so wenige Frauen unter den Schriftstellern der Beat Generation?“ Gregory Corso ganz entschieden seriös, sich nach vorne lehnend sagt:“ Da waren Frauen, ja sie waren dort, ich kannte sie, ihre Familien steckten sie in Einrichtungen und dort gab man ihnen Elektroschocks. In den Fünfzigern konntest Du, wenn Du männlich warst, ein Rebell sein, doch wenn Du weiblich, warst, sperrten sie dich ein, deine Familien. Da gab es diese Fälle, ich kannte sie. Eines Tages wird jemand über sie schreiben.“ – aus Stephen Scobie’s Bericht aus dem Naropa Institute Tribut für Allen Ginsberg,  Juli 1994

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Lesben in den USA, Teil 1

Judith erzählt aus ihrer Zeit als Studentin an einem traditionsreichen College in New Hampshire, an der Ostküste der USA: Wie sich Lesbischsein irgendwie anders anfühlte als in Deutschland.

Claudia: Kannst du dich erinnern, was anfangs das lesbischste Ereignis war, als du in die USA zum Studieren gingst?

Judith: Das ‚lesbischste Ereignis’? Haha! Vor meiner Zeit in Dartmouth war ich nur im Urlaub in den USA, wobei Lesbischsein nie wirklich Thema war. Was mich am College-Leben in Amerika am meisten überrascht hat – obwohl ich davon im Vorfeld eigentlich wusste – war die Tatsache, dass es an der Uni so ein großes Angebot für die LGBTQ-Community gab, z.B. einen Club, der sich jede Woche traf und auch Events organisiert hat. Da bin ich dann gleich in der ersten Woche hin. Das war aufregend!
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Rom, Kunstgeschäft und Frauenliebe im 19. Jahrhundert: Das „Marmorrudel“ (Lesben in Italien, Teil 4)

Viel Sonne und Meer, Toskana, Tralala und Homophobie, steile Berge, große Städte und politische Talfahrten – folgen wir mal den Spuren von Bürgerkriegsflüchtigen aus Kunst- und Schauspiel-Kreisen der USA nach Rom.

Sibylle Mertens-Schaaffhausen, die reiche, berühmte und frauenliebende Archäologin vom Rhein, unternahm im Spätherbst 1856 ihren Umzug nach Rom – für ihr letztes Lebensjahr. Ein halbes Jahr nach ihrer Ankunft, im Frühjahr 1857, erlangte sie über die englische Schriftstellerin und frühe Feministin Anna Brownwell Jameson Kenntnis von einigen Frauen, „die mindestens eine Generation jünger waren als sie und ihren eigenen Lebensentwurf noch radikalisierten,“ schreibt Angela Steidele in Geschichte einer Liebe (2010) auf einer der letzten Seiten.

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Wie alles anfing - Frauenbewegung

Das Persönliche ist politisch

1970 veröffentlichte Carol Hanisch ihren Text “Das Persönliche ist politisch” (“The Personal Is Political”) in der Anthologie “Notes from the Second Year”, herausgegeben von den nicht minder legendären Denkerinnen der Zweiten Frauenbewegung Shulamith Firestone und Anne Koedt. Der Beitrag fiel in eine Zeit, als neue Bewegungen nach neuen Antworten suchten – auch nach Antworten, die bisher noch nicht gegeben wurden auf Fragen, die zuvor noch nicht gestellt worden waren. Dazu gehörte damals die Frage danach, wer zu bestimmen hat, welche Themen relevant sind.

Gedanken über Gedanken

Woher der wunderbar griffige Titel stammt, ist bis heute ungeklärt. Carol Hanisch selbst vermutet, die Herausgeberinnen haben ihn ausgewählt. Der ursprüngliche Titel lautete, wie sie 2006 großzügig gestand, stilecht frauenbewegt Einige Gedanken zu Dotties Gedanken über eine Frauenbefreiungsbewegung (“Some Thoughts in Response to Dottie’s Thoughts on a Women’s Liberation Movement”). Wer alt genug ist, wird sich an frühe Dokumente der Zweiten Frauenbewegung in Deutschland erinnert fühlen. Nichtsdestotrotz: “Das Persönliche ist politisch” ging um die westliche Welt, Weiterlesen

Jeanne Córdova: When We Were Outlaws

Cover Jeanne Cordova: When We Were Outlaws

“In den “ismen” jeder Generation steckt die Saat der nächsten Revolte. Die “ismen” von heute haben sich aus den “ismen” von gestern entwickelt, und so beginnt jede Generation dort, wo ihre Vormütter aufgehört haben.”

Jeanne Córdova beginnt ihr lesbisches Leben mit ganz besonderen Vormüttern in der Bar Szene der späten 1960er, und sie wird, die eine mit der anderen, in die Zeit der FrauenLesbenbewegung hinein erwachsen. Córdova schreibt über ihr Leben in den 1970er Jahren, das zugleich die Geschichte der frühen südkalifornischen Lesbenbewegung ist. Als junge Frau kam sie nach Los Angeles und war mittendrin. Sie setzte für ihre Masterarbeit 1972 das Thema “Sozialarbeit in der Lesbenszene” durch und  organisierte schon 1973 die erste Landesweite Lesbenkonferenz, die bis heute die unübertroffen größte politische Konferenz von Lesben in den USA ist. Dort sah es übrigens damals sehr ähnlich aus wie heute:
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11. September 2001 – Lesben waren dabei

Zum 10. Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center porträtiert das US-Magazine The Advocate in seiner online-Ausgabe 7 schwule Männer und 3 lesbische Frauen, die als Opfer und als Helferinnen unmittelbar betroffen waren:

Carol Flyzik, Bild: advocate.com
Carol Flyzik, Bild: advocate.com

Carol Flyzik, die nach einem wunderbaren Wochenende mit ihrer Partnerin Nancy Walsh, mit der sie gemeinsam mehrere Kinder aufgezogen hat, ausgerechnet mit American Airlines Flug 11 beruflich an die Westküste reisen wollte. Das Flugzeug war das erste von zweien, die in das World Trade Center krachten.

Pamela Boyce, Bild: advocate.com
Pamela Boyce, Bild: advocate.com

Pamela Boyce, die in ihrem Büro im 92. Stock des World Trade Center arbeitete, als American Airlines Flug 11 das Gebäude traf. Sterben war ein Thema, das sie mit ihrer Partnerin Catherine Anello oft besprach. “Betrauere nicht meinen Tod, feiere mein Leben,” war ihre Bitte an die Geliebte.

Jessica DuLong, Bild: advocate.com

Jessica DuLong, die mit einer Crew von Freiwilligen auf dem historischen Feuerlöschboot John J. Harvey gerade vor Ort war und tagelang blieb, um zu helfen, Massen von Wasser zu pumpen und Tonnen Hilfsmittel zu sortieren. Die freiberufliche Autorin ist stolz auf die Arbeit, die sie und die anderen geleistet haben.

Als die deutsche Internet-Seite queer.de – wie weltweit zahlreiche, insbesondere lesbische oder auch schwule Medien – vor einigen Monaten über ein lesbisches Paar berichtet hat, das nach dem Anschlag auf das Ferienlager der norwegischen sozialdemokratischen Partei auf der Insel Utøya daran beteiligt war, viele Jugendliche zu retten, gingen die Wellen hoch: In bewährter Selbstgeißelung zerlegte sich die LGBT Community mal wieder selbst. Vorbilder? Bäh! Wir doch nicht!

Damals schrieb ich in einem Kommentar bei queer.de:

“Eine Frauenzeitschrift wie die Brigitte Woman würde ganz selbstverständlich, wenn sie berichtet, über eine Frau 40+ und deren Sicht und Handlungen berichten. Für ein Jugendmedium wären jugendliche Heldinnen und Heldinnen im Fokus. Sozialdemokraten in aller Welt gedenken der Opfer und der Helferinnen und Helfer des sozialdemokratischen Sommercamps. Und meint jemand wirklich, dass in beispielsweise einem türksich-norwegischen Medium darauf verzichtet würde, einen türkischen Helfer zu porträtieren?
All das bedeutet keineswegs, das man die anderen Menschen nicht sieht oder sie geringschätzt. Es bedeutet lediglich, dass man einen Fokus wählt, den andere nicht so in den Mittelpunkt stellen, weil sie andere Zielgruppen und Interessen haben.

Die Einzigen, bei denen dieser besondere Fokus Anstoß erregt, sind die Schwulen und Lesben. Und als wäre das nicht schlimm genug, sind wir selbst wieder einmal diejenigen, die in vorauseilender Selbstzerfleischung die neutralsten der neutralen sein wollen … und dabei ein weiteres Mal in Beliebigkeit versinken.”

Also, L-talk wird weiterhin Vorbild-Stories veröffentlichen. Wir wollen dazu beitragen, dass Lesben sichtbar sind und freuen uns über jede, die den Mut dazu hat, in ganz normalen und in ganz besonderen Situationen nicht nur offen lesbisch zu sein, sondern auch darüber zu reden.

Links und Quellen:

Gute Reise nach Whileaway – Zum Tod von Joanna Russ

Wenn jemand stirbt, taucht oft die Frage auf: Was hat das mit mir zu tun? Da geht es um Bezüge, um Lernen und darum, wie die Tote das eigene Leben verändert hat. Egozentrisch werden, hat Joanna Russ sowas genannt:

“Der erste Schritt (muss) darin bestehen, entschieden ego-zentrisch zu werden, d.h. du mußt dein Ich zu deinem Zentrum machen, statt es dünn an deinem inneren Horizont zu verteilen, während irgendein Einfaltspinsel im Mittelpunkt steht.” (zitiert nach Moylan, 1990)

Persönlich kenne ich keine einzige lesbische Feministin um die 50 oder älter, deren Leben sich nicht geändert hat, nachdem sie mit Joanna Russ in Berührung gekommen ist. Für viele von uns geschah das durch ein piefeliges Knaur-Taschenbuch mit sexistischem Cover in schlechter Übersetzung: Planet der Frauen. 1979. Es war grausam … und es schlug ein. Ungeachtet des schrecklichen Einbands machte dieses kleine Büchlein die Runde und es ist nicht übertrieben: Ich weiß nicht, ob ich mich ohne Joanna Russ getraut hätte, lesbisch zu werden.

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