Rezension zum Krimi von Anne Holt – Gotteszahl

Anne Holt - GotteszahlNormalerweise lese ich ja die Krimis von Anne Holt nur noch unregelmäßig. Seitdem Hanne Wilhelmsen, die lesbische Kommissarin, querschnittsgelähmt ist und nun Kommissar Yngvar Stubø ermittelt, dachte ich, ach, die sind bestimmt nicht mehr lesbisch.

Weit gefehlt! Mit “Gotteszahl” habe ich einen Krimi lesen dürfen, der viel lesbischer ist, als mir lieb war. Bereits im September 2010 als Hardcover und jetzt im Januar 2012 als Taschenbuch erschienen, fand der Krimi über die Empfehlung einer heterosexuellen Pfarrerin seinen Weg zu mir ;-)

Doch worum geht’s? Insgesamt 6 Menschen werden in Oslo ermordet, zwei Frauen und vier Männer. Dass die Morde miteinander zusammenhängen wird erst nach und nach klar. Klar ist relativ bald, dass Hass und Verachtung zugrundeliegen, eine fundamentale christliche Gruppe aus den USA verübt die Morde. Doch das Motiv bleibt lange unklar. Klar hingegen wird auch bald, dass es sich um sogenannte “hate crime”-Verbrechen handelt, relativ bald kommt Homophobie als Tatmotiv infrage.

Und genau dieses Motiv lässt das Buch so unter die Haut gehen. Es ist nicht lustig, wenn eine mit der Leserin gleichaltrige Lesbe, an der nichts Besonderes ist, aus Hass auf Lesben getötet wird. Und ihre Partnerin erst nach und nach erfährt, dass sie ihren Urlaub bei der Tante in Australien nie angetreten hat. Und es ist auch nicht lustig, auch heutzutage noch von jahrzehnelang geheimgehaltenen homosexuellen Beziehungen zu lesen, von denen nur die Betroffenen wussten, sonst niemand. Das ist nah, nahezu zu nah und macht deshalb dieses Buch so lesenswert.

Schön ist, dass der ermittelnde Kommissar zwar ein Mann ist, die weiteren Ermittlerinnen aber alle intelligente, herausragende, großartige Frauen sind. Auch Hanne Wilhelmsen taucht in einem klitzekleinen Nebenstrang auf. Eine Mitarbeiterin aus den USA, Karen Ann Winslow, die für eine Organisation arbeitet, die gegen hate crime arbeitet (Vorbild war das Southern Poverty Law Center http://splcenter.org) ist zufälligerweise zu Besuch bei der Hate Crime-Forscherin Inger Johanne und kann so wesentlich zur Motivfindung beitragen. Die zweite Kommissarin Silje Sørensen nimmt Inger Johanne in ihren Erkenntnissen und Gefühlen ernst, eine Anwaltssekretärin liefert durch ein Testament, das auf ihrem Schreibtisch landet, einen entscheidenenden Hinweis zum Zusammenhang und Kommissar Yngvar Stubø und Hate Crime-Forscherin Inger Johanne sind zwar ein Ehepaar, sich bei der Arbeit aber eher im Wege.

Zum Schluss sind 6 Menschen tot und ich um die Erkenntnis, dass so etwas jederzeit hier und bei uns geschehen kann, reicher. “Verfolgungswahn”, schrieb die brigitte. Gelohnt hat es sich trotzdem. Das Buch ist unsagbar spannend, die Sprache gekonnt und gelernt habe ich auch eine Menge. Warum, weshalb, wieso über Tätermotive und auch, dass eine solch liberale, tolerante, reiche, gleichberechtigte Gesellschaft wie die norwegische nicht unangreifbar ist. Aber das haben wir ja erst kürzlich IRL äußerst bitter erfahren müssen.

bestellen über Konnys Lesbenseiten… Januar 2012, Piper, Taschenbuch: 464 Seiten, ISBN-13: 978-3492273619.
Auch erschienen im September 2010, Piper, gebundene Ausgabe: 464 Seiten, ISBN-13: 978-3492053952.

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Film “Born again” in der Filmreihe „Du sollst nicht lieben.“ Queer – Cinema und Religion(en)

Born Again Dokumentarfilm Regie Markie Hancock, USA 2007, Farbe, 70 Min., DVD, amerik. OF mit dt. UTAm Donnerstag, 19. Januar, um 19.30 Uhr fand im Rahmen der Filmreihe „Du sollst nicht lieben.“ Queer – Cinema und Religion(en) – Lesben und Schwule im Islam, Judentum und Christentum – ein Filmabend statt. In der Evangelischen Stadtakademie Römer9, Römerberg 9, Frankfurt wurde der Film “Born again” gezeigt: Er beschäftigt sich mit den Erinnerungen einer US-Amerikanerin an ihre Kindheit im christlich evangelikalen Milieu. Die Frage, wie sich christlicher Glaube und lesbische Liebe verbinden lassen, wurde auch beim anschließenden Filmgespräch aufgegriffen.

Nach einer kurzen Einführung zur Filmreihe durch Christian Kaufmann von der Evangelischen Stadtakademie Römer9 vor einem gut gefüllten Saal mit nahezu 100 Zuschauerinnen und Zuschauern erläuterte die Kuratorin der Filmreihe, Karola Gramann, dass der Film 2007 entstanden ist, 2008 bei den Lesbisch-schwulen Filmtagen in Hamburg zum ersten Mal in Deutschland gezeigt wurde und ihr besonderer Dank an das Schweizer Pinkapple-Filmfestival-Team geht, das für die Bereitstellung der deutschen Untertitel gesorgt hat.

Der Dokumentarfilm selbst setzt sich aus Bildern aus der Kindheit der 5-köpfigen Familie (Mutter, Vater, zwei Söhne, eine Tochter (=die Filmemacherin) und Bildern aus der frühen Erwachsenenzeit zusammen. Markie Hancock wurde 1957 in einer Kleinstadt in Pennsylvania (USA) geboren und ihre Eltern waren strenge Christen, sog. Evangelikale. Sonntagsschule, Bibel lesen, mehrmals täglich Gebete und die Hoffnung, Jesus in das Herz zu lassen, bestimmten Kindheit und Jugend. Nach der Schule ging Markie auf ein christliches College. Bereits dort fühle sie sich von einer Mit-Schülerin angezogen, aber erst nach der Uni wagte sie sich nach Berlin, in die geteilte Stadt, um ihre geteilte Persönlichkeit zu leben. Klar war ihr, dass sie nicht evangelikal leben wollte, dass sie lesbisch war, wurde ihr klar als sie sich in Berlin in Claudia verliebte – große Liebe – Ihr wisst schon!

Das war 1984 und Markie blieb ein paar Jahre in Berlin, arbeitete in einer Frauenfabrik, die Futons herstellte und lernte andere Lesben und deren Leben kennen. Nach der Trennung von Claudia ging sie zurück in die Staaten, jedoch nicht nach Pennsylvania, sondern nach New York, wo sie bald ihre Partnerin Catherine kennenlernte. Sie besuchte aber ihre Eltern in Pennsylvania, hatte dort ihr Coming Out und besuchte auch ihre beiden Brüder. Die Familie hatte immer Kontakt zueinander, man traf sich an Weihnachten und zu Thanksgiving.

Das Coming Out hat innerhalb der Familie zu Ablehnung geführt, die Eltern und der eine Bruder beten für Markie um ihre Heilung. Der andere Bruder, nach 21 Ehejahren mittlerweile geschieden, sieht Markies Lesbischsein etwas entspannter. Trotzdem haben sich alle Familienmitglieder bei voller Namensnennng und allen Ortsangaben für diesen Film filmen lassen, und da sie von ihrer eigenen Haltung überzegt sind, und diese auch für die Wahrheit halten, freimütig darüber erzählt.

v.l.n.r.: Werner Schneider-Quindeau, Evangelische Filmjury; Eli Wolf, Ev. Frauenpfarramt; Moderatorin Karola Gramann, Kinothek Asta Nielsen; Judith Eisert, Religionspädagogin, Netzwerk katholischer LesbenDas ist keine leichte Kost und zeigt deutlich die Kluft in der Familie und in der amerikanischen Gesellschaft. Das wollte die Filmemacherin auch. Im anschließenden Filmgespräch mit Eli Wolf, Pfarrerin und Leiterin des Evangelischen Frauenbegegnungszentrums machte Eli Wolf deutlich, dass nicht alle Kirchen eine gesellschaftliche Kluft verursachen. Sie könne in ihrer Kirche, der EKHN, offen als lesbische Pfarrerin leben und auch Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare durchführen. Judith Eisert, Religionspädagogin und im Netzwerk katholischer Lesben, konnte das von ihrer Kirche, der katholischen, nicht sagen. Immer wieder drehte sich auch die Frage um sektenähnliche Indoktrination, seelischen Missbrauch an Kindern und wie schwierig es ist, unter diesen Bedingungen ein Coming out und glückliches Leben zu haben. Moderatorin Karola Gramann von der Kinothek Asta Nielsen, die die Veranstaltungsreihe kuratiert, berichtete von den Schwierigkeiten, einen Film zum Thema “lesbisches Coming Out und Kirche” zu finden. Sie meinte, dies sei der einzige zu diesem Thema.

Einige TeilnehmerInnen aus dem Publikum machten wiederholt auf die politische Situation in den Vereinigten Staaten aufmerksam. Zu recht, darüber waren sich alle einig. Dieser Punkt konnte leider nicht weiter vertieft werden, war es doch schon recht spät am Abend.

Es gibt noch zwei weitere Abende in dieser Reihe, siehe unten.

Links und Quellen:

„Du sollst nicht lieben.“ Queer – Cinema und Religion(en)

Eine Veranstaltungsreihe des Frauenreferats der Stadt Frankfurt und der Evangelischen Stadtakademie Römer9 in Kooperation mit der Kinothek Asta Nielsen und dem Evangelischen Frauenbegegnungszentrum

Ort: Ev. Stadtakademie Römer9, Römerberg 9
Eintritt je Filmabend: 5 Euro

Donnerstag, 26. Januar 2012, 19:30 Uhr
A Jihad for Love
Dokumentarfilm
Regie Pharvez Sharma, USA / Großbritannien / Australien / Deutschland 2007, Farbe, 81 Min., Vorführformat DigiBeta, OF mit dt. voice over und dt. UT
A Jihad for Love beschreibt den persönlichen Kampf homosexueller Muslime in aller Welt um die Anerkennung ihrer im Islam streng verbotenen Sexualität.
Während der Begriff „Jihad“ im Westen inzwischen zum Synonym des „Heiligen Krieges“ und des internationalen islamistischen Terrorismus geworden ist, lenkt A Jihad for Love den Blick auf den ursprünglichen arabischen Sinn des Begriffs: „Jihad“ heißt so viel wie „innere Anstrengung“ bzw. „ein Streben auf dem Pfade Gottes“. Dieser Kampf bedeutet hier: Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität, der Versuch, den oft starken eigenen Glauben mit dem Anspruch auf das persönliche Glück zu verbinden. Die meisten Muslime glauben bis heute, dass der Koran die Homosexualität verbietet und unter strenge Strafe stellt. Die Tatsache, homosexuell und ein gläubiger Moslem zu sein, rührt bis heute an ein Tabu, über das kaum etwas bekannt ist.

So kommt das mutige Bekenntnis streng gläubiger wie säkular lebender Muslime in diesem Film einer Revolution gleich, nicht nur wegen seines Themas, sondern auch wegen der darin ausgesprochenen Provokation, den Gotteskriegern die Hoheit über einen Schlüsselbegriff zur Rechtfertigung ihres gewaltsamen Kampfes streitig zu machen.
(Martin Rosefeldt, homepage ARTE)

Anschließendes Filmgespräch
mit
Katharina Brinckmann, Redakteurin ARTE,
n.n.
Moderation: Abdul – Ahmad Rashid, Redakteur ZDF, Islamwissenschaftler

Donnerstag, 2. Februar 2012, 19.30 Uhr
Du sollst nicht lieben.
Spielfilm
Regie Haim Tabakman, Israel/Frankreich/Deutschland 2009, Farbe, 90 Min., Vorführformat BluRay, OF mit dt. UT
Haim Tabakmans erster Spielfilm berührt ein Tabu – Homosexualität im ultraorthodoxen Judentum.
Aaron ist ein angesehener Fleischer in der ultra – orthodoxen jüdischen Gemeinde in Jerusalem. Der Ehemann und Vater von vier Kindern gerät in eine tiefe Krise, als er sich in Ezri verliebt – einen 22jährigen Studenten, der ihm in seinem Geschäft aushilft. Zunächst begreift er seine Gefühle als religiöse Herausforderung, doch als beide Männer schließlich ihrer Leidenschaft nachgeben, wächst der Druck der Gemeinde auf Aaron. Da er keinen Weg sieht, seine Gefühle mit den religiösen Regeln in Einklang zu bringen, fasst er einen radikalen Entschluss.

Haim Tabakmans erster Spielfilm berührt ein Tabu – Homosexualität im ultraorthodoxen Judentum. Nach der Uraufführung von Du sollst nicht lieben in der Reihe Un Certain Regard beim Festival de Cannes reagierte die internationale Presse begeistert, stellte die Zurückhaltung und inszenatorische Strenge des Films heraus und verglich die emotionale Kraft einer Liebesgeschichte in einer feindlichen Umwelt mit Ang Lees Brokeback Mountain.
(Verleihtext Salzgeber Medien)

Anschließendes Filmgespräch

Donnerstag, 19. Januar 2012, 19:30 Uhr
Born Again
Dokumentarfilm
Regie Markie Hancock, USA 2007, Farbe, 70 Min., Vorführformat DVD, amerik. OF mit dt. UT
Durch Interviews mit den Eltern und Geschwistern sowie eindrucksvollen Bildern schafft diese Dokumentation ein atmosphärisch dichtes und berührendes Portrait einer lesbischen Lebensgeschichte. Spätestens seit dem öffentlichen Bekenntnis George Bushs, ein Wiedergeborener Christ zusein, ist klar, dass die religiöse Rechte in den USA auf dem Vormarsch ist. Filmemacherin Markie Hancock widmet sich dieser Spaltung der amerikanischen Gesellschaft: Selbst alsWiedergeborene Christin in Pennsylvania aufgewachsen, erzählt sie ihr Leben und betrachtet dabei die Spaltung ihrer Familie parallel zur Spaltung der Gesellschaft. Dabei wird deutlich,welche tiefgreifenden Auswirkungen die enge Verknüpfung von Religion, Gemeinschaft und Familie haben kann.

“Meine größte Angst war es, wenn ich die Religion verlasse, meine Familie zu verlieren. Meine zweitgrößte Angst war es, wenn ich die Religion nicht verlasse, mich selbst zu verlieren”, sagt Markie Hancock zu Beginn ihres Films. Mit Interviews der Eltern und Geschwister sowie eindrucksvollen Bildern – auch aus dem geteilten Berlin, wo Hancock in den 1980er Jahren eine Weile lebte – schafft diese Dokumentation ein berührendes Portrait einer lesbischen Lebensgeschichte.
(Katalog lesbisch schwule Filmtage Hamburg)

Anschließendes Filmgespräch mit

  • Eli Wolf, Ev. Frauenpfarramt
  • Werner Schneider-Quindeau, Evangelische Filmjury
  • Judith Eisert, Religionspädagogin, Netzwerk katholischer Lesben

Moderation: Karola Gramann, Kinothek Asta Nielsen

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Lesbische Kreisbewegungen (2012)

Ich glaube nicht an Imitation. Imitation ist langweilig und öde, Imitation ist unkreativ, unpolitisch und uninspiriert. Ich glaube an Zitate.

Wer zitiert, nimmt eine gebrauchte Idee auf und macht etwas Neues daraus. Neulich kam eine geschätzte Kollegin eine Woche lang mit verschiedenen neuen Kleidern an, die alle aussahen wie aus den 1970ern, aber – richtig! – nagelneu eingekauft. Sie sahen nur fast und nicht genauso aus wie in den 1970ern, weil die Wurzeln andere waren, die Bezüge, aus denen diese Kreationen entstanden waren und die Aussagen, die eine Frau darin macht. Aber fast. Auf den ersten Blick …

Ohne Frage kann eine Frau, die *fast* aussieht wie in 1970er Stoffe gehüllt eine Modegöttin von heute sein und eine Frau, die *fast* dasselbe sagt oder schreibt wie andere ein paar Jahrzehnte davor, eine inspirierende Intellektuelle. Letztlich beziehen sich Aussagen, ob in der Mode, in der Sprache oder im Denken immer auf die Zeit, aus der sie kommen, und sie werden in dieser Zeit von anderen auch neu verstanden oder interpretiert oder „gelesen“. Für die Handelnden von heute sind ihre Entdeckungen wirklich neu, inspirierend, revolutionär oder was immer gerade das in-Lob ist.
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Rezension zu Corinna Waffender – Sterben war gestern

Corinna Waffender - Sterben war gestern, Querverlag September 2011Mit “Sterben war gestern” legt Corinna Waffender ihren bereits dritten Krimi rund um die Kriminalkommissarin Inge Nowak vor. Und um es gleich zu sagen: dies ist ihr bislang bester ;-)

Aber der Reihe nach…

Nach “Tod durch Erinnern” (Band 1) und “Töten ist ein Kinderspiel” (Band 2) – alle im Querverlag in der Reihe quer criminal erschienen – ermittelt Kriminalhauptkommissarin Inge Nowak, Leiterin einer Mordkommission in Berlin diesmal an der Ostsee. Inge Nowak ist vor einem halben Jahr nur knapp einem Mordanschlag entgangen und zur Aufarbeitung ihrer posttraumatischen Belastungsstörung reist sie in die psychosomatische Ostseeklinik in der Nähe von Rostock. Dort kaum angekommen wird eine ihrer Tischnachbarinnen ermordet. Und Inge Nowak ermittelt – inoffiziell. Das ist auch gut so, hat nämlich der ermittelnde Rostocker Hauptkommissar Erich Werle andere Verdächtige und bald auch andere Dinge im Kopf. Unterstützt wird Inge Nowak durch die Oberkommissarin Eberstätter, ebenfalls Rostock und ihren am Burn-Out-Syndrom wachsenden Mitpatienten Ewald Klee. Der im übrigen eine alte BMW fährt ;-)

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Unter dem einstürzenden Kartenhaus – Roman

Gastbeitrag von  Maren Brandenburger

Schleichend, aber bestimmt bricht das Kartenhaus ihres Lebens in sich zusammen. Ihre Ehe mit René implodiert, die trügerische Sicherheit der ehelichen „Normalität“ hat etwas Bedrohliches. Das Leben verläuft gleichmäßig belanglos, die Liebe mechanisch, ohne nennenswerte Aufgeregtheiten. Nicht unglücklich zu sein, bedeutet aber eben noch lange nicht, glücklich zu sein! Was ist das schon – das Glück?! Was für ein Widersinn darin liegt, dass René vor lauter Ergriffenheit grunzend und gurrend in seinem Kinosessel in sich zusammensinkt, während sie selbst die dramatischen Liebesszenen zwischen „Barbie und Ken“ abstoßend findet. Deren Küsse berühren sie nicht! Deren wüstes Treiben empfindet sie als Widerspruch!

Scheinbar ziellos schmachtet sie Frauen ihrer Umgebung hinterher. Da ist zunächst die begehrte Hannah, an der sie sich emotional den Hals bricht, weil das Schmachten sich in veritables körperliches Begehren auswächst. Weiterlesen

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Annette von Droste-Hülshoff (*1797)

Annette von Droste-Hülshoff wurde am 10. Januar 1797 auf Burg Hülshoff bei Münster als Anna Elisabeth Franzisca Adolphina Wilhelmina Ludovica Freiin von Droste zu Hülshoff geboren. Sie zählt zu den bedeutendsten deutschen Dichterinnen.

Zu ihrer Familie unterhielt sie enge Beziehungen und sie pflegte Freundschaften, davon zahlreiche innige Frauenfreundschaften.  Frauen anderer Epochen mit zeitgeistigen Begriffen zu bedenken, kann nur schiefgehen. War Annette von Droste-Hülshoff queer? Sie selbst hätte sich sicherlich nicht so bezeichnet.
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Lesbatte: Irrungen und Wirrungen um lesbische Politik

Joni.T Um Lesbenpolitik zu machen – muss eine sich dafür einer Szene zugehörig fühlen?

Konny Nee, muss sie nicht. Natürlich ist es klasse, wenn sie einen feministischen Hintergrund hat, aber zwingend erforderlich ist das nicht (mehr). Früher, als es noch um die Belange von FrauenLesben ging vielleicht, aber heutzutage? … nee.

Joni T Mir kommt es so vor, als gehe es bei Lesbengesprächen oft um Diskriminierung, aber trotzdem hat die klassische Antidiskriminierungspolitik – Parteien, Bürgerrechtsorganisationen, Verbände – einen schlechten Ruf unter Lesben. Als sei eine Entscheidung nötig, entweder handfest etwas gegen Diskriminierung zu unternehmen oder sich denen zugehörig zu fühlen, die sich diskriminiert fühlen. Beides scheint schwer vereinbar zu sein.

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Rezension zum Film: Fjellet – Der Berg

Der im November 2011 bei der L-Filmnacht gezeigte und Anfang Dezember 2011 auf DVD erschienene Film ist keine leichte Kost: Ein lesbisches Paar, das vor zwei Jahren den gemeinsamen 5-jährigen Sohn Vetle auf einer Tour in der endlosen Weite der norwegischen Berge durch ein Unglück verloren hat, macht diese Tour noch einmal. Es ist kalt, es ist karg, es schneit und es gibt nur zwei Darstellerinnen: eben dieses Paar, bestehend aus Nora und Solveig.

 Fjellet - Der BergNichts kann ablenken. Interessant ist, dass Regisseur Ole Giaever weder durch Schwenks in die großartige Landschaft noch durch weitere Schauspielerinnen oder Schauspieler uns verführt, vom Thema abzukommen.

Und was ist das Thema?

Zum einen der Tod des Jungen und dessen Bewältigung. Und zum anderen die Liebesbeziehung zwischen Nora und Solveig.

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Rezension zu Elke Ambergs Buch “Lesben in der Presse”

Schön! Stark! Frei! Wie Lesben in der Presse (nicht) dargestellt werden“Schön! Stark! Frei! Wie Lesben in der Presse (nicht) dargestellt werden” so heißt das im Herbst 2011 im Ulrike Helmer erschienene Buch von Elke Amberg. Die Autorin stellt hierin eine Studie vor, die die Lesbenberatungsstelle LeTRa (LesbenTRaum) in München 2009 an Elke Amberg in Auftrag gegeben hatte. Ziel war es, die lesbische Sichtbarkeit von Lesben in den Medien zu erforschen.

Um es kurz zu machen: Das Buch präsentiert keine überraschenden Ergebnisse. Lesben kommen nicht vor.

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Susanne Baer, Richterin am Bundesverfassungsgericht im ZEIT Interview:

“Ich hasse nichts mehr, als wenn jemand in Schubladen gesteckt wird: Zack, zack, man hat’s verstanden. Das ist das Böse an den Stereotypen: offen lesbisch, Frau am Bundesverfassungsgericht. So wird ein Mensch extrem reduziert.”

Richterin Susanne Baer: “Du musst versuchen zu gestalten” | Gesellschaft | ZEIT ONLINE.

Mehr zu Susanne Baer bei L-talk.

Publiziert am von L-talk | Hinterlasse einen Kommentar