Lesben in Tunesien, Teil 2

[Diesen Artikel zu Lesben in Tunesien schrieb ich für die Hamburger Lesbenzeitung escape, Ausgabe April 2012, ich blogge ihn aus aktuellem Anlass: Neue tunesische Verfassung seit dem 31. Januar 2014]

Lesben in Tunesien nicht nur als Touristinnen, sondern als ständige Bewohnerinnen?

Vue_Tunis.jpg 2006; by Moumou82/Iunity; commons.wikimedia.org; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Vue_Tunis.jpg; commons.wikimedia.org; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Seit sich der nun berühmte tunesische Gemüsehändler mit Uni-Abschluss in Informatik, Mohammed Bouazizi, am 17. Dezember 2010 aus wirtschaftlicher Verzweiflung selbst verbrannte, hat sich nicht nur in Tunesien viel ereignet. Auch heute [April 2012] werden viele junge Leute Mitte zwanzig mit dem Verkaufen von Gemüse sechs Geschwister und die Eltern ernähren, von umgerechnet 125 Euro im Monat. Und auch heute wird diese Summe nicht reichen, um obendrein eine Lizenz zu bezahlen. Weiterlesen

Proletarische und bürgerliche Frauenbewegung, Bild: Heyka Glissmann, 12.11.2008, heyka-glissmann.de

Bedauerliche Auswirkungen? Das Frauenwahlrecht und die Folgen

Gastbeitrag von Sandra Redmann, Abgeordnete im Schleswig-Holsteinischen Landtag  anlässlich des Jahrestages der Rede von Marie Juchacz im deutschen Reichstag

Die erste Rede, die je eine Abgeordnete in einem deutschen Parlament gehalten hat, kam von einer Sozialdemokratin: Marie Juchacz war es, am 19. Februar 1919 in der Weimarer Nationalversammlung. Marie Juchacz gründete später die Arbeiterwohlfahrt und ihre Schwester, die Abgeordnete Elisabeth Röhl, forderte – vergeblich – eine Gleichstellung unverheirateter Mütter und deren Kinder mit Ehefrauen und ehelichen Kindern.

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Titelbild: Jeanne Lessenich, „Hello!“, Mischtechnik Collage auf Leinwand, 80/100cm 700,-€ (Kontakt: jeanL@am-toerichten-bach.de)

Trans*memory 1

Jeanne Lessenich schlägt einen Bogen von der kulturellen Spiegelung von Trans* in den 1960er und 1970er Jahren über die Sehnsucht nach Heteronormativität bis zur Forderung nach einem neuen Trans* Selbstbewusstsein von heute. 

Geschichte, der Meinung bin ich, ist die Gegenwart – wir, mit jedem Atemzug, den wir tun, mit jeder Bewegung, die wir machen, sind Geschichte -, und was geschehen soll, geschieht.
James Baldwin
„Das Gesicht der Macht bleibt weiß“ 2. April 1985

Meine Erinnerungen spiegeln sich in den Filmen und Bücher die ich gelesen oder gesehen. Erinnerungen sind Empfindungen, Gefühle, Bilder aus denen sich das, was ich mein „Ich“ nenne, formt. So ist mein Blick auf das Leben, die Welt, letztlich ein subjektiver und ganz sicher nicht objektiv. Als Trans* bin ich als Betroffene, in der Beschreibung von Trans*, ganz gewiss nicht objektiv, da ich ja nur mein Trans* beschreibe.  Aber ebensowenig sind die, die mich und Trans* von außen beschreiben, objektiv.

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Alice Nkom, Bild: Toby Binder © Amnesty International

Alice Nkom, Kamerun, Aktivistin für Menschenrechte

Die Kameruner Menschenrechtsaktivistin Alice Nkom wird im März 2014 mit dem Menschenrechtspreis der deutschen Sektion von  Amnesty International ausgezeichnet.

Alice Nkom ist Juristin und seit gut einem Jahrzehnt auch Sprachrohr für die Rechte von Lesben, Schwulen und Bisexuellen in Kamerun. In einem Land, das einerseits die Menschenrechte in seine Verfassung aufgenommen hat, auf der anderen Seite  Homosexualität aber seit 1972 illegalisiert, ist das schwierig. Zwischen 6 Monaten und 5 Jahren liegt das Strafmaß.

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Emma-Gründerin: Feminismus, reich und geizig

Endlich einmal gibt es feministische Gründe, bei Twitter über Alice Schwarzer Witze zu machen. Das ist die gute Nachricht.

Emma, das war einmal ziemlich hip. 200.000 Exemplare Auflage 1977, und im Jahr 2012 immerhin noch gut 40.000  - nicht schlecht. Zahlreiche Bücher und Honorare kamen hinzu. Da bleibt schon einiges übrig.  Wer ausrechnen mag, wie viel Geld die Emma-Gründerin in der Schweiz gebunkert hatte, wenn sie nun allein auf die Zinsen 200.000 Euro Steuern zahlen musste, wundert sich doch, wie viel Geld sich mit Feminismus verdienen ließ. Zumal immer wieder Geschichten über Lohnverzicht bei Emma kursierten und über Journalistinnen, die, anderswo fest angestellt, aus Enthusiasmus mitmachten.

Emma-Gründerin Alice Schwarzer gehört zu den zahlreichen Reichen, die sich nach Informationen des SPIEGEL auf Grundlage eines sehr umstrittenen Gesetzes von dem Vorwurf der Steuerhinterziehung frei gekauft haben. Inzwischen hat sie dazu umfangreich Stellung genommen. Sie hat, wie sie auf ihrer Seite aliceschwarzer.de schreibt, ”seit Jahrzehnten, genauer: seit den 1980er Jahren” ein Konto in der Schweiz besessen, gefüllt mit “in Deutschland versteuerte(n) Einnahmen”. Weiterlesen

Alice Munros (ungenannte) Lesben

Alice Munro, Nobelpreis für Literatur 2013. Auch wenn sie das Leben an Rändern beschreibt: Die Welt, die in ihren Erzählungen vorkommt, ist doch vor allem weiß und heterosexuell. Lohnt es sich aus lesbischer Sicht wirklich, ihre Sachen zu lesen? Und nicht nur deshalb, weil die Autorin berühmt und einflussreich geworden ist – weshalb ich darauf kam?

“Daheim” (1974/2006)

In “Home” wird eine Krankenschwester als Tomboy bezeichnet. Munro ändert an dieser Figur in den 32 Jahren zwischen den beiden Versionen lediglich, dass sie deren Sarkasmus etwas verschärft. Beschrieben wird sie als groß und hager, sie habe das Auftreten eines Tomboys mittleren Alters, sei aufgekratzt fröhlich und rede im Slang.

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Kampala, Quelle OrigBild Wikipedia, User Omoo, http://commons.wikimedia.org/wiki/File:KampalaSkyline.jpg

Uganda: Präsident Museveni gegen Anti-Homosexualitäts-Gesetz

L-talk berichtet seit Längerem über Uganda und die dortigen Maßnahmen gegen Lesben, Schwule und Transpersonen. Zuletzt hatte das ugandische Parlament am 20. Dezember ein Gesetz verabschiedet, das von langer Hand vorbereitet und mit massiven Hasskampagnen begleitet worden war: Das Anti-Homosexualitäts-Gesetz.

Bereits Ende Dezember hatte sich der ugandische Präsident Museveni an die Sprecherin des ugandischen Parlaments gewandt. Er hält das Verfahren um das Anti-Homosexualitäts-Gesetz weder politisch für sinnvoll noch rechtlich für verfassungsgemäß.

Wer nun hofft, Lesben, Schwule und Transpersonen werden in Uganda künftig nicht mehr diskriminiert, irrt. Präsident Museveni legt in seinem achtseitigen Schreiben ausführlich seine Philosophie in Sachen Homosexualität dar. Demnach gibt es drei Sorten Homosexuelle und Lesben: 1. Tatsächlich homosexuell geborene Männer und lesbisch geborene Frauen, die auf immer abnorm bleiben und von ihren widerwärtigen Praktiken nicht lassen werden, 2. Menschen, insbesondere junge Menschen, die aus Geldgier oder wegen anderer Verlockungen zur Homosexualität rekrutiert werden und 3. Frauen, die wegen des Frauenüberschusses nicht heiraten konnten und daher sexuell ausgehungert sind.

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Dokumentation: Präsident Museveni zum Ugandischen Anti-Homosexualitäts-Gesetz

Museveni Letter to Parliament28. Dezember 2013
An die Sprecherin und
Die ehrenwerten Mitglieder des Parlaments
Parlament von Uganda
KAMPALA

Betr. Homosexualitäts-Gesetz

Ich habe das Gesetz erhalten, das Sie gegen Homosexuelle verabschiedet haben.

Bevor ich zu dem Gesetz Stellung nehme, möchte ich erst die Arbeitsweise und die grundsätzlichen Ansätze zur Wiederherstellung und Entwicklung von Uganda erörtern, wie sie vom NRM in den letzten 48 Jahren konzipiert wurden. 1  Uganda begann mit einem “Fehlstart“ (in den Worten von Rene Dumont), bereits vor der Unabhängigkeit. Die politischen Akteure jener Zeit begannen mit einem “Fehlstart“, indem sie es versäumten, die Interessen der Ugander als Gesamtheit zu definieren. In diesem Zusammenhang habe ich Ihnen wiederholt gesagt, dass meine Interessen als Milchproduzent der Munyankore nicht mit denen der Banyakore insgesamt übereinstimmen, weil sie meine Milch nicht kaufen, weil sie ihre eigene Milch haben. 2 Meine Interessen werden am besten getragen von Uganda, Ostafrika, der Region der Afrikanischen Großen Seen, und letztlich der ganzen Welt, weil sie diejenigen sind, die meine Milch, meine Bananen, meinen Kaffee, mein Fleisch, meinen Tee und so weiter kaufen. Wenn ich also deutlich machen will, dass ich die Banyankore liebe, muss ich erst und vor allem die Ugander lieben, die Ostafrikaner, die Afrikaner und mir auch über die ganze Welt Gedanken machen, weil das der Weg ist, auf dem die Banyankore gedeihen werden.

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Notes:

  1. Das National Resistance Movement (NRM, Nationale Widerstandsbewegung) ist die bedeutendste politische Bewegung in Uganda und wird von Präsident Museveni geführt.
  2. Munyankore ist eine Bezeichnung für ein Individuum der Banyakore, einem Volk aus der Region in Ankore in West-Uganda.

Documentary: President Museveni’s letter on the Homosexual Bill

Museveni Letter to Parliament28th December 2013
Rt. Hon. Speaker and
Honourable Members of Parliament
Parliament of Uganda
KAMPALA

RE: HOMOSEXUAL BILL

I have received the Bill you passed against homosexuals.

Before I comment about the Bill, however, I would like to first discuss about the Method of work and the general plan for recovery and development of Uganda as conceived by the NRM for the last 48 years. Uganda got off from a “false start” (the words of Rene Dumont) even before Independence. The political actors of that time got off on a “false-start” by failing to define the interests of the Ugandans even as a collectivity. In this connection, I have repeatedly told you that my interests as a Munyankore milk producer are not with the Banyankore because they, actually, do not buy my milk because they have got their own milk. My interests are best served by Uganda, East Africa, the Great Lakes region and, eventually, the whole world because they are the ones who buy my milk, my bananas, my coffee, my beef, my tea, etc. Weiterlesen